Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

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beherrscht, wie das seine Schriften bekunden,
in denen oft genug deutsche und griechische
Wörter und Phrasen zur Erlänternng
herangezogen werdend)

In religiöser Beziehung gehört Sns.
zu jenen altern Humanisten, die zwar die
Gebrechen der Zeit beklagten nnd rügten
und eine gründliche Reform in Kirche nnd
Staat herbeisehnten,2) aber doch von einer
politisch-religiösen Revolution und einer
Glaubensändernng nichts wissen wollten.^)
Das war ja doch der Haupt-, wenn nicht
der einzige Grnnd, warnm er das ihm so
leme Basel schweren Herzens ans immer
verließ.

melberger verwechselt hat —. Daß man in dieser
Zeit begann, auf etwelche Kenntnis der griechischen
Sprache Wert zu legen, beweist die Instruktion,
mit welcher der Ravensburger Magisirat bald
nachher (1546) den aus Lindau berufenen lat,
Schulmeister R. Heldelin bestallte: „Weil bei
denen Herren Jesuiten das Griechische docirt wird,
also wird sich der Schulmeister befleißen, wo-
möglich auf das wenigste die 8ckc>lÄre8 ructi-
menta Araeca lehren, daß sie es lesen und
etwas decliniren wissen."

>) Nur einige Beispiele: ^cl calendas Arae-
Las 'an Clausen binders abent'; (ZuÄÜs pÄ8tor
talis ^rex 'lausiger Hirt, grindige schaaf'; 14^-
kentes vietum et ainictum 'ein suppen uud
ein juppen'; Oaie classiszus au-

stros 'Henck den nagel an zoum'.

2) Eine dahin zielende Straf- und Sittenpre-
digt, die er selbst komponiert, bringt S. als Beispiel
einer sermocinatio p. 89 8«^.). Darin

rügt er aber insbesondere den Mangel an Respekt
vor der geistlichen und weltlichen Autorität. —
Kaum waren !wir mit unserem Aufsatze fertig,
so kam uns eiu anderes Exemplar der Lpitome
sTx 1ikri8 14. ?AntÄleoni8 1546) in die Hände,
in welchem Titel und Inhalt die gleichen, die
Holzschnittinitialen aber und der ganze Druck
mitsamt den Seitenzahlen verschieden find. Welche
der beiden Ausgaben die frühere ist, läßt sich
schwer entscheiden. Auch ein Exemplar der
Grammatik, das einst dem Hieron. Wolf gehörte,
bot jüngst Jacques Rosenthal in München (Antiq.
Katalog 42, Nr. 3360» für VO M. an. Die Zahl
der Blätter ist dieselbe, aber auf dem Titel steht:
iam cienuo aceurÄte Loncinn^tÄ: also die von
uus vermutete zweite Bearbeitung vom Jahre 1534.

2) Daß Susenbrot im alten Glauben ver-
harrte, geht aus einer Notiz bei Hafner, Geschichte
der Stadt Ravensburg <1887 bei Dorn) S.MI
hervor, wonach derselbe im April 1541 an" den
Magistrat in Ravensburg das Ansinnen stellte,
wegen der Pest dem Herkommen gemäß am
nächsten Marientag einen Kreuzgang nach Wein-
garten zu machen, welchem der Rat mit der Ein-
schränkung zustimmte, daß man niemand dazu
nötigen solle.

NuF der Wfarreigeschjchte von
Wurzach.

Von Kaplan Finkb einer.

(Fortsetzung.)

Nachdem ein jeder Anwesende noch
ein Almosen gespendet hatte, wurde der
Kranke unter Vorantragung des Kreu-
zes von der Geistlichkeit und den Gläu-
bigen in seine künstige Wohnung ge-
leitet. Daselbst angekommen, sühtte ihn
der Priester in die Hütte oder das Le-
prosenhaus ^ mit den Worten ans Psalm
132: „Hier ist meine Ruhe für immer!"
Dann warf ter Priester Erde vom
Friedhof anf das Bett des Leprosen oder
Nasen vom Gottesacker auf das Dach
der Leprosenhütte mit den Worten: »Lis
mortuus mun6o vivens iterum Oev!«
— „Sei abgestorben der Welt und leb'
aufs neue Gott!" Und zum Abschied
ermahnte er ihn: „Siehe da den Ort,
der dir von nuu au zur Wohnung be-
stimmt ist. Ich verbiete dir, von hier
fortzugehen und dich finden zu lassen in
Kirchen, Märkten und Straßen, in Wirts-
häuser» und an anderen Orten. Trauere
uicht, daß ou abgesondert bist von anderen,
sondern denke, daß diese Absonderung nur
eine leibliche, du aber im Geiste noch
ebenso mit uns bist, wie früher, und
ebenso teil habest an den Gebeten der
Kirche, als ob dn zugegen wärest beim
Gottesdienst. Gott wird dich nicht ver-
lassen. Habe Geduld,z und Gott sei mit
dir!" Dann kehrte der Priester zurück
zur Kirche, in welcher das Volk sich ver-
sammelte, nnd es wurde für den Kranken
das allgemeine Gebet verrichtet, das mit
den Worten schloß: „Allmächtiger Gott,
der Du durch das geduldige Leiden Deines
göttlichen Sohnes uns von dem ewigen
Uebel erlöset hast, verleihe Deinem Diener
(Deiner Dienerin) die göttliche Geduld,
das leibliche Uebel in Geduld zu tragen,
das Dn ihm auferlegt hast." — Diese
Zeremonien legeu ein herrliches Zeugnis
ab sür die Liebe der Mutter Kirche, der
nicht bloß das Wohl ihrer gesunden,
sondern fast noch mehr das ihrer kranken
Kinder am Herzen liegt.

Von nun an trug der Leprose eiu be-
sonderes Kleid, er mußte die Häude ver-
hüllt halten und — wie schon oben be-
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