Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

Page: 166
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Die ReichShochwohlgeborue Freyfrau
Eva Sophia v. Gultenberg, geb.
Freyin v. Schaumberg, 1' 1759 am
Festtag Sl. Nikolai balle zur „Ritterstiffs-
Kirchen eiu mildes von 500 fl.
dergestalt gemacht, daß solches dem Kirchen
Ornatambl zum Besten verzinslich an-
gelegt werdeu solle, jedoch aber mit der
hauptsächlichen Verbindlichkeit, wöchent-
lich 1 hl. Mesß vonH. Vic^mis mit jedes-
maliger Entrichtung vou 20 kr. darfür
vom gedachten Ornatambl an das Präsenz-
Ambt zu ihrem und ihrer AnVerwandtschaft
ßeelenHeyl für und für beständig lesen
zu lassen. 17 fl. 10 kr." (Präsenzbuch
S. 186).

AUK der Marreigeschjchte voll
Würz ach.

Von Kaplan Finkbeiner.
(Fortsetzung.)

V. Das Deckengemälde in der Stadt-
pfarrkirche von Wurzach

ist ein Meisterstück des seinerzeit sehr ge-
achteten Künstlers Andreas Brugg er
(s. über denselben diese Zeitschrift XVIII
(1900), S. 167) von Langenargen. Es
wird von ihm erwähnt, daß er dieses
Plafondsgemälde als „ein durch mehrere
Kunstwerke und Meisterstücke ehevor be-
lohnter uud tu Rom selbst mit einem
Preise beschenkter Kunstmaler inner drei
Monaten ausfertigte". Die Ausführuug
des Gemäldes fällt in die Zeit des Kirchen-
baus (1774—1777); es hat eiue Länge
von 22 m und eine Breite Don 10 m nnd
bedeckt das ganze Langhans der Kirche.
Es ist in den letzten Iahren anch von

Sonntag-Wurzach photographisch auf-
genommen und danach auch in einer An-
sichtspostkarte dargestellt worden.

Das Ganze ist eine Verherr-
lichung d es Erl ö snng s w erk e s (ein
mächtiges Kreuz bildet den Mittelpuukl),
ersehnt vou deu Erzvätern, verheißen von
den Propheten, vorgebildet dnrch deu
salomouischeu Tempel, vollzogeu am Kreuze,
dessen Segnungen an sich erfuhren und in
Lehre uud Leben osfeubarleu die heiligen
Evangelisten, Kirchenlehrer, Ordensstisler,
Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen, dessen
Segnungen noch immer vermittelt werden
dnrch das Gotteshaus, defseu Verachtung

aber endigt mit den ewigen Qualen der
Hölle. Wir könnten auch sagen: das
Ganze stellt dar das Reich Gottes vor
und nach Christus. (Nach einer Angabe
des 1- Herrn Pfarrers Detzel ist seiner
Ansicht nach das Gemälde der Triumph
der Kirche.)

Im einzelnen^) finden sich auf dem
Gemälde folgende Darstellungen:

1. Das Alte Testament, repräsen-
tiert dnrch die Patriarchen und Propheten,
welche hoffnungsvoll und sehnsüchtig ans
den Nenen Bund nnd das Zeichen der Er-
lösung Hinblicken, auf welche sie harrten.
Wir bemerken hier:

2) ganz zur Rechte» den ehrwürdigen
Abraham, bereit, feinen Sohu Isaak,
der halb entkleidet mit Kopfbinde und Holz--
bündel abgebildet ist, Gott zum Brand-
opfer zu fchlachteu. Eben zieht er das
Opfermesser aus. Diese Handlung deutet
vorbildlich das gnadenvolle Opfer an,
welches der barmherzige Gott durch die
blutige Hingabe seines Sohnes gebracht
hat und welches tagtäglich unblntigerweise
auf unseren Altären wiederholt wird. Wie
Isaak das Holz, so trug auch Jesus das
Kreuz, auf dem er geopfert wurde, selbst
auf seinen Schultern, und gleich Abraham
schonte Gott seines Sohnes nicht, damit alle
an ihn glauben und das ewige Leben haben.

d) Der Patriarch Jakob mit dem
Hirtenstabe, Blick und Hände gen Himmel
gerichtet (I. Mos. 28, 10 ss.). Der
Küustler faßte aus seiner Lebensgeschichte
jene Stunde auf, da ihm Gott im Traume
die Verheißuug des Erlösers gab und er
zum Dauke dem Herrn einen Altar er-
richtete. „In deiner Nachkommenschaft,"
sprach der Herr, „sollen gesegnet werden
alle Völker der Erde," d. h. in Christus,
der seiuer menschlichen Natur nach von
Abraham abstammte. So liegt hierin
wieder ein Hinweis auf den Erlöser.

c) Znr Linken sehen wir Moses mit
zwei Flammen über dem Haupte, mit
der Rute uud deu Gesetzestafeln. Rute

') Diese Ausführungen stützen sich in der
Hauptsache auf die in den 1840iger Jahren ge-
machten und vom damaligen Kaplan Sinz auf-
gezeichneten Angaben des damals 85jährigen Hof-
jägers Anton Mörz, geb. 13. März 1760.
-j- LI. Okt. 1847, der noch ein Zeitgenosse des
Kirchenbans mar.
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