Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

Page: 109
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Drei verendeten in Ulm, die übrigen
wurden, je zwei in einem Verschlag, nach
Stuttgart geführt. Es war damals Mode
bei den deutschen Fürsten, von weit her
seltene Tiere — diese Hirsche waren jeden-
falls eine besondere Art — kommen zu
lassen. So brachte der Zeitgenosse Herzog
Karl Alexanders, Markgraf Karl Wilhelm
von Baden - Dnrlach, der am 1. März
1729 nach Holland gefahren nnd am
25. August uach Karlsruhe zurückgekehrt
war, von dort zwei kleine Papageien, die
er der Frau Baronin Schilling von
Cannstatt, gebornen v. Wangen,
seiner Tochter, am 31. August verehrte,
und andere Tiere mit, wie auch einen
Mohren, der am 6. Januar 1730 in
Karlsruhe getanst wnrde. Am 31. Oktober
1731 kam aus Holland für diesen Mark-
grafen ein Schiff mit allerhand Tieren
und Gewächs zn Schröck am Rhein an.
Am 13. September 1732 war in Schröck
ein weiteres Schiff mit einem Löwen,
2 Straußen, zwei sardinischen und drei
afrikanischen Hasen für den Markgrafen
angekommen. Am 20. Dezember 1736
ließ der Markgraf eine indianische San
metzeln und davon das ganze Essen in
18 Speisen geben. Man sieht, der
badische Markgraf verstand, das Nützliche
mit dem Angenehmen zn verbinden, und
mag diese „indianische Metzelfnppe" den
Gästen gut geschmeckt haben.

(Fortsetzung folgt.)

Z. DaF alte Tandltapitel Riedlingen.

(Fortsetzung.)

A n d e l si n g e n.

Die Pfarrei Andelfingen umfaßte früher
das Dorf A., das Kloster Heiligkrenztal
mit Dorf, zwei größere und eine kleinere
Kapelle (außer der Pfarr- und Kloster-
kirche). Das Kloster Heiligkrenztal hatte
das Patronatsrecht und die Banlast am
Pfarrhaus; doch mußte der Pfarrer zur
Reparatur 5 sl. aufwenden. Die Pfarrkirche
(mit 3 Allären) ist dem hl. Cyriakns nnd
der hl. Cäcilia geweiht; so nach Ausweis
des Altarbildes. Nach dem Konfekrations-
instrnment ist sie jedoch konsekriert zu Ehren
der hl. Cyriakns, Largns und Smaragdns.
Als erste Kapelle wird erwähnt die gegen
Osten an der Riedlinger Straße, zn Ehren

der Mnttergottes, des hl. Joh. d. Tänfers,
Martinns, Barbara nnd Rochns. Sie ist
eine Stiftung des Landkapitels Riedlingen
nnd der Aebtissin von Heiligkreuztal. Hie-
her war auch vom Landkapitel das oben
erwähnte, später umgeänderte Benefizinm
gestiftet worden;^) seit jener Umwandlung
mußte jedoch der Pfarrer von Andelsingen
wöchentlich dort eine hl. Messe lesen. Die
Unterhaltung der Kapelle war Sache der
Heiligensabrik. Eine andere Kapelle war
konsekriert worden zu Ehren des hl. Niko-
laus mit eiuem Altar uud wurde vom
Kloster unterhalten. Die 3. Kapelle an
der Riedliuger Straße hatte die Aebtissin
Marianna zn Ehren der hl. Anna erbaut
bezw. erweitert; der Altar dort soll vom
Abt von Salem konsekriert worden sein.
In der Kapelle wnrde oft das hl. Opfer
dargebracht. Die Klosterkirche hat als
Patronin die hl. Anna und wnrde damals
providiert von einem Mönch ans dem
Kloster Salem. Zwischen dem Prälaten
von Salem und dem Pfarrer von Andel-
fingen gab es häufige Zwistigkeiteu. Die
Pfarrei war nnr temporalm, nicht

aber spiritualia, dem Kloster Heilig-

krenztal inkorporiert. Wegen Verwaltung
der Kirchenpflege entstand anno 1719 eine
Zravig controverZiÄ zwischen dem Pfarrer
und dem Kloster, welche znerst in Kon-
stanz, dann in Luzern nnd schließlich in
Rom untersucht wurde. Unterm 7. März
1727 erfolgte daun eine dompositio ami-
cadiliZ, worin die gegenseitigen Rechte und
Ansprüche des Klosters und seiner drei
Pfarreien Andelsingen, Binzwangen und
Hnndersingen feststellt wurden. Es han-
delte sich um die trActatio kaereclitÄtis
eines verstorbenen Pfarrers nnd die Admini-
stration der Kirchenfabrik, wobei dem Klo-
ster das Recht der Beteiligung zuerkannt
wnrde. Zugleich wurden sämtliche inner-
halb der Klostermanern liegende Gebäude
mit ihren Bewohnern von der Pfarrei
Andelfingen eximiert. Die dompo-zitio
wurde am 28. Juli 1727 zu Riedlingen
promulgiert (^xtractus im lid. cap. lol.
144—148). Es gab aber bald einen

i) Im rsA. sudz. c1>ar. v. 1497 („Fr. D.-A." 26,
S. 127) ist die Rede von einem novum dsns-
Kcium, welches in der Pfarrkirche und in der
neuerbauten Kapelle 15. Darias V. errichtet wor-
den war, und welches damals Vitus Mang besaß.
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