Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 25.1907

Page: 143
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— Ihr hochwürdiger Herr Prälat, den ich von
ganzein Herzen liebe und verehre, sowie Ihr
ganzes Gotteshaus, welches ein wahres Muster
der Reinigkeit der Religion, des geistlichen Lebens
und der Gelehrsamkeit ist, ja dieser hochwürdige
Herr, dein ich noch neuerdings Ihre Werke zu
verdanken habe, hat mir schon einmal wegen
diesem Abtrünnigen geschrieben, allein die Folgen
haben gezeigt, daß ich mich in meiner Vermutung
nicht betrogen habe. Nur noch ein einziges Mittel
scheint mir übrig zu bleiben, um diesen ärger-
lichen Priester zum Stillschweigen zu bringen.
Aber dieses bleibt zwischen Ihrem Herrn Prälaten
und Ihnen, nämlich wenn Rom dessen Schriften
verdammen und verbieten würde, oder auf eine
andere Art ihn bestrafen sollte. Ich überlasse
diesen Gedanken Ihrer beiderseitigen Ueberlegung,
indem Sie die Möglichkeit davon besser als ich
einsehen werden. Ich bitte dem HE. hochwürdigen
Prälaten, meine aufrichtige Hochachtung erwidern
zu wollen und sowohl die Meinigen als mich
selbst in Ihr sämtliches HI. Gebet empfehlend,
verharre ich mit wahrer Liebe und Aestime
Weiltingeu, den 23. April 1790.

Eiv. Hochwürden
wohlaffektionierter
Louis Herzog zu Württemberg.
Verzeihen Sie mir dieses Gesudel, Geschäfte
sind schuld daran."

Noch manches dieser Art ließe sich zur Ge-
schichte der Aufklärung beibringen und ist das
Material uoch lange nicht erschöpft; immerhin ist
es ein Verdienst des Verfassers, diese Periode
erstmals zusammenhängend bearbeitet zu haben.
Die Aufklärung am Stuttgarter Hofe verlief be-
kanntlich schon infolge des Eingehens des katho-
lischen Hofes im Sande, um dann auf ge-
raume Zeit in das Staatski rchentum,
welches derselbe Werkmeister nicht wenig hegte
und pflegte und dessen tätigstes Werkzeug W.
war, überzugehen.

Zum Schluß noch eine persönliche Bemerkung :
Der Verfasser, der die einschlägigen Arbeiten
im „Diözesan - Archiv" reichlich benützt, zum
Teil dieselben auch zitiert hat, streicht mir (Seite
149) die dreimalige (!) Bemerkung, der Schussen-
rieder k'. Joh. B.Vogler, ein Nachtreter Dan-
zers, sei ebenfalls Hofprediger in St. gewesen,
schwer an und meint, ich habe diese Angabe
Gradmann nachgeschrieben. Nein! Vogler kommt
als Hofprediger von St. schon in zeitge-
nössisch e n A u f z e i ch n u n g e n, so des -j- Pfar-
rers Lorenz Loewe von Sch., des letzten Schussen-
rieder Konventualen, welcher Vogler persönlich
gut kannte und den Sachverhalt wissen mußte,
aufgeführt. Wir vermuten deshalb, daß Vogler,
der 1791 säkularisiert und Großkanonikus beim
Damenstift in Buchau wurde, zum Hofprediger
in St. wohl designiert war, diese Stelle aller-
dings nie angetreten hat; und Hessen noch, diese
Vermutung näher erweisen zu können.

Herzog Karl Eugen von Württem-
berg zc. 8. Heft, 8. Abschnitt: „Die
bildenden Künste unter demselben", von
Prof. vi-. Bert. Pfeiffer, mit 51
Abbildungen im Text und 3 Plänen.

Eßlingen a. N., P. Neff Verlag (Max
Schreiber) 1907, S. 615—776. Preis
2 Mark.

Das einen wertvollen Beitrag zur schwäbischen
Kunstgeschichte im 18. Jahrhundert bildende Heft
enthält nach einer Einleitung über des Herzogs
Verhältnis zur bildenden Kuust folgende Partien:
das Residenzschloß uud das Rokoko in Stuttgart;
Ludwigsbnrg und das Seeschloß; Solitude; Stutt-
gart in der Spätzeit des Herzogs; Hohenheim
und Umgebung; das Landbauwesen; Malerei und
graphische Kunst im Nokokozeitalter; die goldenen
Tage der Theaterdekoration; die Malerei der
tonangebenden Eklektiker (Guibal, Harper :c.);
dekorative und klassizistische Plastik; die Lud-
wigsburger Porzellanmanufaktur; die herzoglichen
Sammlungen; Kleinkunst und Kunstgewerbe; die
Akademie cleg srts; bildende Kunst in und neben
der Karlsschule; Gotthard Müller und die Stutt-
garter Kupferstechanstalt; Sammler und Dilet-
tanten. — Rückblick und Ausblick. Nachwort:
Nachweis der Abbildungen zum I. Bande. Den
einen und anderen Leser des Werkes dürfte es
vielleicht interessieren, daß der bekannte schwäbische
Maler und Kupferstecher Joh. Gottlieb Prestel,
der Stammvater einer zahlreichen, angesehenen
Künstlerfamilie, aus Grünenbach a. I. (1739 bis
1800), eine Zeitlang zu Pompeo Hier. Bat (t) oni
(1708—1787), dem Schöpfer des bekannten Por-
träts des Herzogs Karl in der Landesbibliothek
zu Stuttgart, in die Lehre ging.

Keller, Albrecht, Die Schwaben in der

Geschichte des Volkshumors, s^reiburg

i. Br., I. Bielefelds Verlag, 1907, XVI.

und 388 S., Preis brosch. 8 Mark.

Eine Untersuchung der Frage, wie es doch
kommt, daß gerade die Schwaben zum Gegen-
stand des allgemeinen Spotts geworden sind, auf
den alle möglichen Neckereien bezogen und noch
immer neue derbere Spöttereien erfunden werden.
Eine tüchtige Partie im Buche ist namentlich das
Kapitel III von „Entstehung der Schwabenstreiche
im 16. Jahrhundert". Ebenso ist natürlich die
weltbekannte „Geschichte von den 7 Schwaben"
eingehend behandelt. So viel Material die Unter-
suchung beibringt, so ist es doch noch nicht er-
schöpfend, wie dies aber bei einem solchen Gegen-
stand fast auch nicht sein kann. Der Mangel
eines Registers macht sich bei dem sonst beachtens-
werten Buche recht fühlbar.

Brechen macher, Jos. Karlmann, Führer
durch die Jugendliteratur, eine Auswahl
empfehlenswerter Jngendschriften, Rat-
geber zc. Herausgegeben von der Ju-
geudschriftkominission des katholischen
Schulvereius und redigiert von Brechen-
macher. 2. Heft, Stuttgart, Verlag des
katholischen schulvereius, 1907, 97 S.
Preis ?

Unser über diesen Wegweiser im „Diözesan-
Archiv" von 1906, S. 78 abgegebenes Gutachten
gilt auch für dieses 2. Hest.
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