Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 8.1863

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Kunst-Chronik.

Berlin. — Prof. Menzel hat die Genehmigung nach-
gesucht und erhalten, in dem Akademie-Gebäude vom 15. Fe-
bruar ab eine Ausstellung seiner sämmtlichen auf die Ge-
schichte Friedrichs des Großen bezüglichen Werke in
einem Raume zu veranstalten. Wie Se. Mas. der König,
so haben auch alle Privatbesitzer von Menzel'schen Staf-
feleibildern, Zeichnungen u. s. w. dieselben bereitwillig
zur Ausstellung hergegeben. Nach den angestellten Ermit-
telungen sollen »och 2 Veteranen von Friedrichs Armee
in Preußen am Leben sein und zwar im Alter von 95 unv
113 Jahren. Herr Menzel hat die Absicht ausgesprochen,
den ganzen Ertrag dieser Ausstellung den beiden Männern
zur Verfügung zu stellen, sofern nicht zweckmäßigere Vor-
schläge ihm zu einer wirksameren Verwendung Gelegenheit
geben sollten.

— — Der Genremaler Meyer von Bremen ist
zum Anerkenntniß seiner künstlerischen Leistungen von I.
Majestät der Königin von Spanien mit dem Orden
Karls Hl. dekorirt worden.

Bonn. Das «Journal des Beaux-Arts läßt sich von
hier über das Afinger'sche Modell zur „Arndtstatue",
welches bekanntlich den Preis erhalten hat, schreiben: Le
modele que Mr. Afinger avait envoye au Concours, etait
une conception vraiment puerile, c’^tait le plus faible,
le plus insignifiant de tous les modeles exposes et mal-
gre cela, la Commission lui (?) a confid l’execution du
monument n. s. f. Wir müßten sehr irren, oder es liegt
hier wieder einmal der Fall vor, daß sich das Journal
des Baux-Arts, welches natürlich mit den deutschen Künst-
lerverhältnissen ganz unbekannt ist, zum Abzugskanal der
Galle eines sich benachtheiligt glaubenden Kunstkonknrren-
ten hat mißbrauchen lassen. Läßt sich der Korrespondent
dock» dazu Hinreißen, die Kommission selbst durch die Worte
zu verdächtigen: 11 m'est permis de croire que c’etait une
affaire concertec d’avance, so daß es den Anschein gewinnt,
als ob die ganze Konkurrenz nur eine Spiegelfechterei ge-
wesen und die daran sich betheiligt habenden Künstler, wie
man gut deutsch zu sagen pflegt, „zum Narren gehalten"
worden seien.

Köln. — Der Bildhauer Renard hat für das Grab-
denkmal der Familie Richartz-Firmcnich ein Basrelief in
cararischen Marmor ausgeführt, welches vielen Beifall
findet.

Düsseldorf. — Der Maler Oswald Achenbach
ist zum Lehrer der Landschaftsmalerei an der königlichen

Kunst-Akademie Hierselbst ernannt und demselben das Prä-
dikat „Professor" verliehen worden.

Weimar. — Bonaventura Genelli hat vom Frhn.
von Sck)ack in München den neuen Auftrag erhalten, das
bereits als Aquarell in Schack's Besitz befindliche, seit
der Ausstellung 1858 allgemein bekannt gewordene Bild
„die Vision des Propheten Ezechiel" groß in Oel auszu-
führen.

Kassel. Die „Chronik für bildende Kunst", deren Pro-
gramm wir vor einiger Zeit mittheilten, hat vor Kurzem
ihre Lkr. 1 als Probenunimer herausgegeben. Der Inhalt
ist vorläufig ziemlich dürftig, da er außer dem nochmals
abgedrnckten Programm einige Kunstvereinsprogramme in
in ihrer ganzen Ausdehnung sowie ein paar Rechenschafts-
berichte und die wichtige Notiz mittheilt, daß das Comitd
des kasseler Lokalvereins der deutschen Kunstgcnossenschaft
beschlossen habe, die „Chronik für bildende Kunst" beim
Hauptvorstand der Genossenschaft als Geschäftsorgan der-
selben zu empfehlen. Die Ausstattung entspricht dem In-
halt; Papier und Druck sind — namentlich für eine
Probenummer — sehr ärmlich. Doch das Kind ist noch
jung und kann wachsen; was wir ihm von Herzen wünschen.

Arolsen. Zur Herstellung eines Denkmals für den
verstorbenen Rauch in seiner Vaterstadt werden jetzt hier
Sammlungen veranstaltet. Das Denkmal wird in einer
Büste bestehen, welche bei seinem Geburtshause angebracht
werden soll.

Wien. — Von den hervorragendsten Werken aus der
Sammlung von Aquarellen und Handzeichnnngen der Pri-
vatgalerie des Erzherzogs Albrecht wird ein photographi-
sches Facsimile-Album vorbereitet, welches sechzig
Lieferungen umfasten und ans dreihundert Blätter beste-
hen soll.

Sheher. — Die von Schraudolph im hiesigen Dom
ausgeführten Fresken werden jetzt ebenfalls von dem Pho-
tographen Albert in München nach den in Speyer auf-
bewahrten Cartons photographisch vervielfältigt.

Brüssel. — Zum Direktor der königlichen Akademie
der Künste ist ,Hr. Simonis ernannt worden.

Edingburg. — Bon der Hand des Bildhauers M.
W. Brodie wurde kürzlich für den verstorbenen Lord
Henry Cockburn, einer der ausgezeichnetsten schottischen
Anwälte und Richter, eine Statue gemeißelt und im hie-
sigen Parlamentsgebände aufgestellt.

Kunstgeschichte und Antiquitäten.

Katharina von Flora, als FZraut Luthers,

Es kommen bei der Beurtheilung dieses kleinen Meister-
werks überhaupt zwei Fragen in Betracht, welche übrigens
im engsten Zusammenhänge mit einander stehen: Ist es
ein Bild von Cranach? — und: Stellt es Katha-
rina von Bora als Braut dar?

Was die erste Frage betrifft, so wäre sie aus der bloßen
Technik und Behandlungsweise des Kolorits ebenso schwer zu
bejahen als zu verneinen. Während des 81 Jahre um-
fassenden Lebens des Meisters und der unermüdlichen
Thätigkeit desselben hat sick> sein ohnehin früh entwickeltes
Talent — einige seiner schönsten und berühmtesten Werke,
wie die „Madonna mit dem Kinde" im Chor des Erfurter
Doms, rühren aus den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts
her — nach so mannigfachen Richtungen, sowohl was die
Gegenstände als was die Behandlungswcise betrifft, bewegt,
daß man seine Malart nach einfachen typischen Merkmalen
gar nicht bestimmen kann. Wie verschieden im Kolorit
und Zeichnungsstil sind z. B. die ziemlich zahlreichen Werke

Aetgemätde von Lukas Kranach. (Schluß.)

von ihm auf dem berliner Museum. Man vergleiche
nur seine kleineren Portraits mit seinen Darstellungen von
„Adam und Eva" und dem sogenannten „Brunnen der
Jugend", um eine Vorstellung von seiner technischen Viel-
seitigkeit zu erhalten. Sein Kolorit ist bald durchsichtig bis
zur Schwindsüchtigkeit, bald kräftig koloristisch, seine Zeich-
nung bald zart und decent, bald roh und vulgär, seinAusdruck
bald idealistisch bis zur Abstraction, bald realistisch bis
zur Rohheit. Daß in allem Diesen etwas Gemeinsames,
ihm Eigenthümliches liege, wollen wir nicht läugnen, allein
fürdiescs „Etwas" einen einfachen, charakteristischen, typischen
Ausdruck zu finden, dürfte ziemlich unmöglich sein. Es
ist daher ganz erklärlich, daß Das, was z. B. Kugler
(Geschichte der Malerei 11. S. 253ff.) über Cranach's
Eigenthümlichkeit sagt, durchaus unbestimmt ist. Er drückt
fick, folgendermaaße» aus: „Cranach hat in seinen Ge-
mälden Vieles mit der Richtung Dürer'S gemein, vor-
nehmlich was die einfache, unbefangene Auffassung der
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