Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 8.1863

Page: 133
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Deutsche Kunst-Zeitung.

Achter Jahrgang.


Heransgegeben und redigiri ,

von t .

3. Mai

? M18. .

-

Dr. Max Schasler, ,

Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin. <

1863. <

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Jnb

Abhandclndcr Artikel: Kunst und Kritik in Deutschland.

Korrespondenzen, A Kassel, den 25. April. (Die Chronik
für bildende Kunst.)

Kunstchronik: Verschiedene Lokalnachrichten aus Berlin, Weimar.
Kunstiudiistric und Technik: lieber Bronceguß.

alt:

Kunstliteratur u. Album: Moriz v. Schwind, Aus dem
Leben Franz Lachner's.

Klinstinstitutc U. Kunstvcrcine: Deutscher Ausstellungskalender.
Ausländische Ausstellungen. — Knnstansstcllung in Turin.

Schwarzes Brett.

Kunst und Kritik in Deutschland.

ahrelang hat man im Schooße der Kunst-
, genossenschaft über die Gründung eines
Specialorgans für geschäftliche Kunstan-
gelegenheiten deliberirt und ist endlich zu
der Ueberzeugung gekommen, daß ein sol-
ches Unternehmen unausführbar sei. Und
" doch ist an Kunstorganen in Deutschland
kein Ueberfluß. Mit Ausnahme unsers
Journals, welche die einzige allgemeine
wöchentlich erscheinende Kunstzeitung ist,
kommen nur noch die verständig redigir-
ten „Recensionen für bildende Kunst",
welche monatlich einmal in Wien erscheinen, in Betracht.
Wenn man dagegen die französischen und englischen Kunst-
jonrnale an Zahl, Umfang und Einfluß in Vergleich zieht
so muß man einen traurigen Rückschluß auf das Kunstin-

teresse im deutschen Vaterlande machen. Woran liegt
dies?

Steht etwa die deutsche Kunstkritik und Kunstwissenschaft
auf einen, niedrigeren Standpunkt als in jenen Ländern?
Nein. Man werfe nur einen Blick auf die phrasenhafte
und oft gänzlich kenntnißlosc Weise, mit der i» England
Kunstwerke besprochen werden. Nur in Amerika ist die
ästhetische Barbarei noch größer. Was Frankreich betrifft,
so hat leider die Reklame die sachgemäße Kritik dermaaßen
überwuchert, daß ein scharfer Blick dazu gehört, um überall
die Spreu vom Weizen zu unterscheiden. Außerdem fehlt
es der französichen Kritik an klaren ästhetischen Principien;
sie bewegt sich meist in einem arabeskeuartigen Fcuillctonstil,
der den Leser mehr durch pikante Antithesen unterhalten als
durch wahrhafte Ergründung der Sache überzeugen will. Lei-
der mag gerade hieraus nach dem Grundsatz mnnckus vnlt de-
cipi ihr Einfluß sich erklären lassen; wenigstens nach der
Seite des Publikums gewiß.
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