Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 8.1863

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Deutsche Kunst-Zeitung.

HmPtoMR der Deutschey KunstVereme.

Achter Jahrgang.


Hkransgegriien utib rtbigirt <

von -

22. Februar

/ M 8.

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Pr. Max Schasler,

Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin. <

1863. ,

Abonncincntsbedingungen.

„Die Diosluren" erscheinen wöchentlich (Sonntags) in 1—Ij Bogen 4,o n I. Für Deutschland sämmtliche postanslallen. Luch, und »nnNhundlungen
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Inhalt:

Abhandklndcr Artikel: „Antik", „Mittelalterlich", „Modern"
in Beziehung auf Kunstanschaunng. (Fortsetzung.)
Korrespondenzen: □ Düsseldorf, Ans. Febr. (Permanente
Ausstellung, Fest d. Künstler-Liedertafel. Schl.) — ^ Mün-
ch en im Januar. (Nekrolog von Hautmann).

Knnstchroniki Verschiedene Lokalnachrichten aus Berlin, Düssel-

dorf, Hamburg, Rom.

Kunst-Kritik: Berliner Knnstschan. 1. Ausstellung im Lokale des
Kunstvereins. — 2. PcrmanentcGcmälde-Ausstcllnng v. Sachse.
3. Menzel-Ausstellung. — 4. Salon von Lepke.
Knnftinstitntc u. Kunstvercinr: Kunstausstellung im Haag. —
Knnstausstellung in Prag.

„Mtik" — „'jJSittefafferfidj“ — „Modem", in Beziehung auf Kunstanfchauung. (Forts.)

Zwei Vorträge, gehalten zum Besten des Germanischen Museums in Nürnberg, von Di-, M. Sr.

II.

Ich Hs,, nun bei dem zweiten Theil meines Themas
angelangt. Nachdem ich im Vorhergehenden den bas Mit-
telalter treibenden Geist in seinem allgemeinen Gegensatz
zu der ihm vvrausgchenden und nachfvlgenden Entwicklung
des menschlichen Empfindnngslebens zu schildern versucht,
bleibt mir nur noch die Aufgabe, diese allgemeine Bewe-
gung auf dem besondern Gebiete des Kunstgefühls und
der künstlerischen Bildungen nachzuweiscn.

Sic erinnern sich, daß ich Eingangs von einer bestimm-
ten Stufenfolge sprach, welche ans der verschiedenen Stel-
lung des Naturstoffs, als des Elements der Schwere
und Trägheit, zum Geiste, als dem Element der Freiheit
und der Erhehung über die Materie, sich entwickelt. In
dieser Stufenfolge unterschied ich drei Hauptabsätze: den
Orientalismus, worin der Naturstoff noch das Geistige
beherrscht — den Hellenismus, welcher das Geistige

zur Gleichberechtigung mit der Materie und dadurch beide
zur harmonischen Versöhnung bringt — und die christ-
lich-germanische Phase, in welcher endlich der Geist
sich über die Materie erhebt und Herrscher über den Stoff
wird. Ich versuchte ferner nachzuweisen, wie diese drei-
fache Stellung des Geistes zur Materie in ihren praktischen
Konsequenzen, im Staats- und Privatleben der Völker, sich
gestaltet und wie sie dem ganzen Empfindungsleben ein
sehr entschiedenes und durchaus charakteristisches Gepräge
aufdrückt. Zunächst ist dies nun hauptsächlich in der Re-
ligionsanschauung, sodann aber vornehmlich in der mit
dieser auf's Engste verbundenen Kunstanschanung deut-
lich zu erkennen, nämlich aus der Art und Weise, wie die
Kunstsphären selber sich nach dieser dreifachen Stufenfolge
gliedern.

Wenn man nämlich die Künste unter dem Gesichtspunkt
jenes Verhältnisses von Geist und Stoff betrachtet, so be-
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