Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 8.1863

Page: 185
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Drutlclji' Kunli-Zeitung.

> Achter Jahrgang.

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21. Juni

/ M 25.

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Dr. Max Schasler,

Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin. <

1863.

Abonnementsbcdingungen.

„Die Dioskuren" erscheinen wöchenllicb Sonntags) in I— Ij Bogen 4l« I. Für Deutschland sämmtliche peganllallen, Duck- uni> Dunjlhaudiuugeu

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Inhalt:

Korrcipondenzc»: '1'. Wien, den 10. Juni. (Ausstellung von
Karl Blaas.) — B. Ulm, im Mai. (Restauration des
Münsters.) — *** Marienwerder, Mitte Juni. (Re-
stauration des Doms.) — f Speyer, im Juni. (Die
Fresken im Dom).

Kunstchronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Danzig, Düsseldorf,

Dresden, München, Karlsruhe, Wien, Paris, London.
Kunst-Kritik: J.^L. Davld's „Tod Marals." — Der diesjäh-
rige Pariser Salon. (Fortsetzung.)

Knnstinftitntc n. Kunstvercine: Archäologische Gesellschaft in
Berlin.

Kunstverkchr: I. Deutscher Ansstellungskalender n. s. f.

Korrespondenzen.

T. Wien, den 10. Juni. (Ausstellung von Karl
Blaas.) Diese Tage fand in den Räumen der k. Burg
eine Ausstellung mehrerer Gemälde des Professors an der
venezianischen Akademie Karl Blaas statt, die derselbe
von dort hierher gebracht hat, wo er diesen Sommer mit
Ausführung der Fresken im Arsenale beschäftigt ist. Ein
großes Altarbild, für eine Kirche zu Zinkendorf in Ungarn,
stellt den „h. Stephan, König von Ungarn", bar, wie er
der ihn überschwebendcn Himmelskönigin kniend in begei-
sterter Andacht die heilige Krone opfert. Es ist schwer
zu sagen, was vorzüglicher ist, die geistvolle Konception
oder die technische Ausführung des fa|t plastisch erscheinen-
den Bildes. Beide sind, wie es eben sein soll, Eins. Die
berühmte Krone möchte man fast wahren, daß diebische
Hände nicht versuchen, sie davonzutragen, wie einst die
» Vögel die Trauben des Zeuxis. — Ferner waren zwei
Schlachtgemälde ausgestellt, Modellbilder für die Fresken
der Rnhmeshalle im Arsenale, die „Schlacht bei Rörd-
lingen" und die wilde „Flucht der Türken bei Zenta",
Bilder, wo der Tod Ernte hält, und dennoch voll Leben,
dann noch von Eugen Blaas, dem Sohne des Pro-

fessors, ein kolossales Bild in einem Kreisabschnitte von
einer 11 Schritte lange» Sehne, die „Bekehrung der Rhä-
tier dnrck den h. Valentin" vorstellend. Die Sanstmuth
des ehrwürdigen Lehrers, die kindliche Gläubigkeit der auf-
horchcnde» Bekehrten, der Ingrimm der abziehenden heid-
nischen Priester und ihres Anhanges bilden trefflich durch-
gefllhrte Kontraste. Das Bild ist für eine Kirche in Tirol
zu Oberweis unweit Meran gestiftet. Man erkennt wohl
hier die leitende Hand des Vaters und Lehrers. Ohne
diese wäre ein solches Werk eines kaum achtzehnjährigen
Jünglings unmöglich.

B. Ulm, Mai 1863. (Restauration des Mün-
sters.) Der Weiterbau und die Restauration schreitet
langsam fort. Ueber den neuen Strebebogen sind je 6
auf jeder Seite vollendet, so daß also nur noch je 3 zur
zur Vollendung fehlen. Die Formen für die Restauration
sind meist durch vorhandene alte Reste bestimmt, und wo
man davon abweicht, wie bei den Fialen, die das Haupt-
gesimse durchbrechen, thut man wohl recht daran. Alles
wird in sehr würdiger und trefflicher Weise ausgeführt.
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