Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 8.1863

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Deutsche Kunst-Zeitung.

-AMlVlonNN ser Demi men miwwrfme.

Rrrallsgegebrn und rrdigirt

von

Dy. Max Schasler,

Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin.

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bcdingttngen.

1. Für Deutschland sämmtliche pollanstallrn, Luch, und Auusthaudluugen

2. Für Großbritanien, Amerika und Australien G. Lender's Buch-
handlung und General-Zeitungs-Agentnr in London, 8, I-illlo Newport-street
Leicester-sq.

Bedactionsburcau 'Vietoriastrasse Nro. S9 a.

Inb

Abhandclndcr Artikel: Studien zur Charakteristik bedeutender
Künstler der Gegenwart: Horace Lernet, (Nekrolog). (Forts.)
Korrcipottdcnzcn: t Wien, im Januar. (Das Gründungs-
fest der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens). —

Klinstltironik: Verschiedene Lokalnachrichten aus Berlin, Bonn,
Köln, Düsseldorf, Weimar, Kassel, Arolsen, Wien, Speyer,
Brüssel, Edingbnrg.

alt:

Kunstgeschichte und Antiquitäten: Katharina von Bora, als
Braut, Luthers, Oelgcmälde von Lukas Cranach. — Noch
einmal die „Schule von Athen".

Kunftinstitnte u. Kunstvereine: Thüringer Kunstverein. — Ost-
deutscher Cyklus. .— Pariser Salon des Jahres 1863. —
Verbindung für historische Kunst. — Rheinischer Kunstverein.

Briefkasten.

Studien zur Charakteristik kedeutender Künstler der Gegenwart.
XXVII. Horacc Vcriltt.

Nekrolog. (Fortsetzung.)

Gerade in diese Zeit fällt die große Schlacht zwischen
den Klassikern und Romantikern. Bern et, zu tief ein-
gedrungcn in das Wesen und die Bedeutung des Natu-
ralismus, dem er huldigte — zu besonnen, fest und ge-
bildet, um sich von den Verirrungen des Romanticismus
hinreißen zu lassen, eignete sich nur die Vorzüge desselben
an. „Die Verhaftung der Fürsten unter Anna von Oester-
reich", „Philipp August vor der Schlacht von Bouvicrs",
die letzte Jagd Louis XVI.", „Editha mit dem Schwanen-
hälse an der Leiche Hcralds" sind sprechende Beweise die-
ses freien, bewußten Eklekticismns, der, auf die Basis einer
klaren Naturanschauung gegründet, die Vorzüge einzelner
Richtungen und Meister sich zu Nutze macht, ohne in ihre
Fehler und Ueberschreitungen zu verfallen. Alle diese Ge-
mälde waren vor seinem Abgänge nach Rom ausgestellt.

Sein Erscheinen daselbst gab den französischen Künst-
lern einen neuen Aufschwung. Der Villa Medicis entwuchs
ein Werk nach dem anderen in rascher Aufeinanderfolge.
„Die Räuber von Terracina", die „Jagd in den pontischen
Sümpfen", „die Beichte des Räubers", „die Judith", „die
Vittoria von Albano", „der Papst in St. Peter", „Michel-
Angelo und Raphael im Vatikan" zeigten ebenso von dem
ausdauernden Fleiße und der leichten Schöpfungskraft des
Künstlers, wie von seiner höheren stilistischen Ausbildung.

Bei seiner Rückkehr nach Paris hatten die Dynastien
gewechselt und sein früherer Mäcen hatte als Louis Ppi-
lipp den Thron bestiegen. Horace verehrte ihm als Vi-
sitenkarte das Bild, welches ihn im Jahre 1H30 im Stadt-
hause darstcllt. Der Künstler der „Schlacht von Jcmappes"
wurde natürlich der Favorit des Hofes und erhielt sogleich
für drei- bis viermal Hunderttausend Francs Aufträge.
Auch wurde ihm in Versailles der „Saal zum Ballschlagen"
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