Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 8.1863

Page: 193
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Deutsche Kunst-Zeitung.

auptorgan der Deutschen Kunstnereine.


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i Achter Iahrqang.

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28. Zuni 1

/ J\S 26. ■

Dr. Max Schasler,

1 1863. |


> Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin. <


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Ink,

Korrcspondcnzcn. Z St. Petersburg, im Juni. (Das Ver-
mächtnis des Grafen Kuschcleff-Besborodko an die kaiserliche
Akademie der Künste.) — •£ München. (Nachbildung der
Fresken in der Kirche zu Wasserburg; Kunstverein.) —
^ München, Ende Juni. (Wanderungen durch Kunst-
werkstätten).

alt:

Kunstchronik: Lokalnachrichten aus Berlin, Breslau, München,
Meißen, Worms, Weil, Wien, London, Rom.

Kunst-Kritik: Der diesjährige Pariser Salon. (Fortsetzung.) —
I. L. Davld's „Tod Marat's." (Schluß.)

Kunstvcrkehr'. l. Deutscher Ausstellungskalender u. s. f.

Korrespondenzen.

S St. Petersburg, im Juni. (Das Vermächtniß
des Grafen Kuschcleff-Besborodko an die kai-
serliche Akademie der Künste.) Der edle Kunst-
freund, Graf N. A. Kuschelesf-BcSborodko hatte na-
mentlich im Laufe der letzten Dccenien feine Sammlung
von Kunstwerken durch neue gediegene Ankäufe zu einer
der schönsten Privatgalerien im russischen Reiche empor-
gehoben. Sein lebhaftes Interesse für die Kunst strebte
er auch Anderen mitzutheilen und freute sich, mit den
Schätzen, die sein eigen waren, auch weiteren Kreisen die-
nen zu können. In den seit einigen Jahren in St. Pe-
tersburg eröffnten Sälen der genannten Kunstausstellung
fehlen fast nie Gemälde aus der Sammlung des edlen
Grasen, gleich wie herrliche Werke aus dem Palais I. K.
H. der Frau Großfürstin Maria Nikolajewna dazu dienten,
das Interesse für die Kunst unter dem Publikum Peters-
burg rege zu halten. Der Grat N. A. Kuscheloff-Besbo-
rodko starb im vergangenen Jahre. Treu dem Streben,
das ihn auszeichnete, hatte er Bestimmungen getroffen,
welche auch nach seinem Abschiede von diesem Leben dem
Ziele entsprechen sollten, das er für das Wohlergehen seiner

Landsleute sich hingestellt und in seinem letzten Willen
die ganze Sammlung von Kunstwerken der kaiserlichen
Akademie der Künste in St. Petersburg zum Geschenk ge-
macht, mit der Bedingang, daß diese Sammlung zweck-
mäßig in den Sälen der Akademie aufgestellt, daß der
Besuch dieser Säle täglich unentgeltlich gestatlet werde,
und Jedermann ohne Unterschied des Standes und der
Kleidung*) vergönnt sei. — Diese specielle» Bestimmungen
des Testaments, denen entsprechend die kaiserl. Akademie
der Künste ihre Säle dem unbeschränktesten Besuche ge-
öffnet, sind von ganz vorzüglicher Bedeutung, da bisher
durch eigene Umstände die Freude a» den Leistungen der
Kunst nur bevorzugten Klassen vergönnt war. Zu diesen
Umständen gehörte einesthcils die Aufstellung der groß-
artigen Kunstschätze St. Petersburgs in den Palais der
Besitzer, d. h. solchen Lokalen, die zugleich Wohnräume

*) Die niederen Volksklassen unterscheiden sich namentlich
auch durch die Kleidung von denen der höheren Gesellschaft, welche
die französische Tracht trägt, während jene die Nationaltracht bei-
behalten.
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