Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 8.1863

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Deutsche Kunst-Zeitung.

Sttnnsjjtgthtn unb rtbifjirt

Dr. Max Schasler,

Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin.

-O

23. Januar
1863.

o-

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Beziehung auf Kunstanschauung. (Fortsetzung.)
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S. Elemente;u Rom.)

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2. Permanente Gemälde-Ausstellung von Sachse.
Kunsttitcratlir „. Album: I. Albert, Kaulbach's kuustgeschicht-
liche Wandgemälde.

Kunftinstitutc u. Kunstvereine: Ausstellung von Aauarellbildern.
Archäologische Gesellschaft in Berlin. — Briefkasten.

„Mntik" — „Mittelalterlich" — „Modern" in Beziehung auf Kunstanfchaunng. (Forts.)

Zwei Vorträge, gehalten zum Besten des Germanischen Museums in Nürnberg, von vr. M. Sr.

I.

Wer cö unternimmt, eine große geistige Sphäre all-
gemein-menschlicher Entwickelung nach den verschiedenen
Phasen und Gestaltungen ihres innern Wesens zu erfor-
schen und das darin obwaltende Gesetz der Veränderung,
sei diese Wachsthum oder Verderbnis;, sich zum Bewußt-
sein zu bringen, wird stets zu dem Resultat gelangen, daß
jede Entwicklung ein Kampf zweier entgegen-
gesetzten Elemente ist, welche um den Vorrang mit ein-
ander streiten. Diese beiden gegensätzlichen Elemente will
ich einfach als Stoff und Geist bezeichnen. Der Stofs
repräsentirt in dem Kampfe die materielle Schwere, er
versucht den Geist, den er nicht loswerden kann, herabzu-
zichcn, zu erdrücken; dieser dagegen, welcher das Element
des Aufsteigens, der Erhebung, der Freiheit ist, sucht die
Bande der Materie zu sprengen oder, da ihm dies nicht
gelingt, wenigstens daran zu feilen, um sie leichter, dün-

ner, dehnbarer und schmiegsamer zu machen. Dieser Ge-
gensatz ist überall nachzuweisen: in der Religion und
Sittlichkeit als der Kampf zwischen Sünde und Tugend,
in der Kunst als der Kampf zwischen Naturalismus und
Spiritualismus, in der Sprache als der Gegensatz zwi-
schen Naturlaut und intellektueller Auflösung des Sprach-
materials durch die Herabsetzung des Lauts zum reinen
Mittel des GedankenausdrnckS u. s. f. Vom Anfang der
Welt — so weit wir in ihre Geschichte zurückblicken kön-
nen — bis auf den heutigen Tag kämpft die Menschheit
diesen Kampf auf den verschiedensten Gebieten durch: es
gewährt einen großen Genuß, dieses großartige Schauspiel
des unendlichen Auf- und Abwogcns der feindlichen Elemente
zu beobachten. Zuweilen, wo ein partieller Abschluß erreicht
ist, tritt eine gewissen Beruhigung ein; plötzlich aber, wenn
sich die Wogen auf ein nengcöffnctes Gebiet stürzen, wirbelt
der Sturm mit um so gewaltigerer Kraft empor, um sich
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