Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 68.1931

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MODERNE FUSSBODENTEPPICHE

Mit einem Teppich, einer Fensterbekleidung
und einer guten Wandtapete ist ein Zimmer
eigentlich schon „wohnlich" gemacht. Nament-
lich der Teppich ist mit Hinblick auf die Wohn-
lichkeit von außerordentlicher Bedeutung. Nicht
nur, daß er durch Schalldämpfung der Schritte
und durch Suggerierung vonWärmegefühlen dem
Fußboden das Kalte, Unbehagliche und gleich-
sam Widerstrebende nimmt — er bringt auch,
wenn er sinnvoll belebt und getönt ist, in die
vorher gestaltlose Bodenfläche etwas von Gliede-
rung, Einteilung, Organisation. Erstaunlich ist
besonders die Art, wie er zu den Möbeln, die
auf ihm oder an seinem Rande stehen, in Be-
ziehung tritt. Er gibt ihnen das „Feld", zu dem
sie gehören, er gibt ihnen gewissermaßen die
„optische Resonanz", steigert sie inihremEinzel-
wert und bindet sie zur sinnvollen Gruppe. Ein

Sessel und eine kleine Truhe bilden auf einem
nackten Fußboden ein sinnloses Nebeneinander.
Tritt aber (wie auf unseren Abbild. S. 319, 321)
ein Teppich mit guter, kräftiger Einteilung hin-
zu, so ist sogleich ein kleines „Ensemble" ge-
schaffen. Ein Kamin mit Sessel und Tischchen
bekommt durch einen davorliegenden Teppich
erst Raum- und Fixierungswert für den Men-
schen; er erhält durch ihn sozusagen erst die
Ermächtigung, den Menschen heranzurufen und
zu ruhigem Verweilen einzuladen. Gerade die
Teppiche von Kozma mit ihrer heiteren Felder-
einteilung zeigen, wie wenig ein guter Teppich
eine bloße Flächensache bleibt, wie kräftig er
das, was auf ihm oder bei ihm steht, zu einem
Zusammenhang bindet und wie er im Zimmer
eine Art „landschaftlicher Gestaltung" errichten
kann, die wohltuend auf den Menschen einwirkt.

XXXIV. August 1981. 8
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