Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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sern Jöhrensstraße 14 (um 1905), 16/18 (um
1910) und 20 (um 1908) verdeutlicht. Ein aus
der gesamten Villenarchitektur Hannover be-
sonders herausragendes Objekt ist das Dop-
pelhaus Elisabethstraße 9/9a. Das 1907 vom
Architekten Ulrich Roedigeraus Hannover für
den Kunstmaler Meffert gebaute Haus ist ei-
ner der wenigen Bauten mit ausgeprägter Ver-
wendung von Formen des geometrischen Ju-
gendstils. Der durch Vor- und Rücksprünge
stark plastisch gegliederte Baukörper, dessen
zur Ostfeldstraße gelegenes Obergeschoß
größtenteils in Fachwerk ausgeführt ist, be-
sticht insbesondere durch seine Fassade zur
Elisabethstraße. Hier ist das Obergeschoß in
blendfensterartige senkrechte Felder aufge-
teilt, in denen mit Sgraffitotechnik eine Land-
schaft dargestellt wird. Auf einige hervorra-
gende Details wie den Wintergarten von Nr.
9a oder die Gitter einiger Fenster sei beson-
ders hingewiesen. Die sehr schöne ursprüng-
liche Garteneinfriedigung ist leider nicht mehr
vorhanden. Im Inneren beider Hausteile ist
noch ein Großteil des auch von Roediger ent-
worfenen Inventars wie Treppen, Türen,
Wandschränke und Möbel erhalten.

Bünteweg 3, Villa Beindorf, 1905


BÜNTEWEG
Etwa zeitgleich mit den beiden „Landhaus-
vierteln“ entstanden in weiter Entfernung zur
bis dahin bebauten Ortslage im Bereich Bün-
teweg/Bemeroder Straße einige für die han-
noversche Villenarchitektur bemerkenswerte
Anlagen. Auf ungewöhnlich großen Grund-
stücken von ca. 2-6 ha bauten sich hier Han-
noversche Industrielle und Direktoren ihre von
großzügigen Parkanlagen umgebenen Villen.
Als eines der ersten Objekte entstand im Jah-
re 1905 am Bünteweg 3 an der Ecke zur Be-
meroder Straße das Haus der Familie Bein-
dorff, Eigentümerin der Firma Pelikan. Das
Haupthaus und das unmittelbar benachbarte
Nebengebäude wurden am südlichen Rande
des Parks in die Nähe der Straße gesetzt. Bei-
de Gebäude sind relativ schlichte Backstein-
bauten, die durch Fachwerkelemente und
Holzkonstruktionen Elemente des englischen
Landhausstils aufnehmen. Im großen, heute
leider stark verwilderten Landschaftspark
(Gartenarchitekt: Trip) mit seinem alten Laub-
baumbestand, dem Teich und den „Brezelwe-
gen“ bildet ein kleiner Pavillon in Holzkon-
struktion einen besonderen Akzent.

Ebenfalls 1905 entstand die Villa Bünteweg
8 B durch die Architekten Georg Thofehrn und
Maximilian Jagielski. Der zweigeschossige
weiße Putzbau mit Dekor aus Fachwerk, Back-
stein und Sandstein ist mit diversen An- und
Vorbauten und einer differenzierten Dach-
landschaft besonders plastisch durchgebildet.
Die „Krönung“ des Gebäudes bildet der aus
dem Bau herauswachsende Turm auf der Ost-
seite, dessen oberstes Geschoß durch eine
außenliegende gedeckte Treppenanlage er-
reichbar ist. Die inmitten des Parks gelegene
Villa stellt innerhalb der Villenarchitektur die-
ser Zeit, nicht zuletzt der Größe wegen, eines
der herausragendsten Objekte Hannovers
dar.
Einige Jahre später, um 1912, wurde am Bün-
teweg 17 eine weitere beachtenswerte Anlage
gebaut, bei der die inmitten des Parks gelege-
ne Villa durch mehrere kleine Nebengebäude
am Rande des Komplexes ergänzt wird. Der
zweigeschossige, breitgelagerte Hauptbau
greift mit seinem portikusartigen Vorbau auf
klassizistische Architektur zurück. Die ruhige
Wirkung des gelb verputzten Baukörpers wird
durch die davorliegende freie Rasenfläche
noch verstärkt. Unmittelbar an den mittigen


Bünteweg 17, Villa, um 1912

Bünteweg 8 B, Villa, 1905, Architekten G. Thofehrn / M. Jagielski


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