Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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Steinwiderlagern, die an der Stammestraße
durch sehr schöne Pylone betont sind. Der ur-
sprüngliche Zustand ist einschließlich der Brü-
stungsgitter mit Jugendstilformen erhalten.
Etwas nördlich des Ohedammes liegt das äl-
teste erhaltene Wasserbauwerk Hannovers,
das gleichzeitig eines der interessantesten
Objekte des städtischen Wasserbaus dar-
stellt. Die Geschichte des Schnellen Grabens
reicht bis in die mittelalterliche Geschichte der
Stadt zurück. Um den Mühlen einen gleichmä-
ßigen Wasserstand zu sichern und bei Hoch-
fluten das überschüssige Leinewasser um die
Stadt herumführen zu können, verband man
an dieser Stelle die Leine mit der erheblich tie-
fer liegenden Ihme durch einen Kanal und ein
Wehr. Das heutige Wehr entstand als Nach-
folgebau mehrerer älterer Anlagen in der Zeit
zwischen 1739 und 1745 aus glatten Sand-
steinquadern. Diverse Ausbesserungen in der
Folgezeit haben keine größeren Änderungen
verursacht.
Nachdem 1921 die Pumpenanlagen des Was-
serwerkes Ricklingen, das den Lindener
Hochbehälter versorgte (siehe 33-35 Lin-
den), von Dampfbetrieb auf Elektrizität umge-

stellt wurde, errichtete man für die Stromer-
zeugung am Schnellen Graben ein Wasser-
kraftwerk. Das Gebäude, indem noch heute
Energie für das hannoversche Versorgungs-
netz erzeugt wird, wurde von Stadtbaurat Paul
Wolf entworfen. Der eingeschossige Klinker-
bau, dessen Ecken durch starke Strebepfeiler
markiert sind, wird durch acht schmale, hohe
Fenster mit Dreiecksverdachungen auf den
Längsseiten gegliedert. Neben der gelunge-
nen Architektur muß die umweltfreundliche
Energieerzeugung heute als besondere Lei-
stung der damaligen Zeit gewertet werden.
41 OBERRICKLINGEN

Die Grenzen des Stadtteils Oberricklingen bil-
den im Norden die Bückeburger Allee, im
Osten die Frankfurter Allee, im Süden die
Straße An der Rehre und im Westen die Berg-
feldstraße und die Hamelner Chaussee.
Oberricklingen gehörte ursprünglich zur Ge-
markung Ricklingen, das 1913 nach Linden
und 1920 nach Hannover eingemeindet wur-
de. Bis zum Ende des 19. Jh. gab es im Gebiet
des heutigen Stadtteils keinerlei Bebauung.

Die früheste, einheitlich geplante Ansiedlung
war die ab 1901 errichtete Siedlung Menzel-
straße/Schnabelstraße des Gemeinnützigen
Bauvereins Ricklingen. Diese ein Jahr zuvor
gegründete Genossenschaft setzte sich vor-
wiegend aus Beschäftigten der Hannover-
schen Waggonfabrik zusammen (siehe auch
40 Ricklingen). Von den zum Erwerb be-
stimmten 78 Doppelhäusern waren 1925 erst
21 verkauft, aber bereits 1931 befanden sich
alle Bauten in Privatbesitz.
Die Siedlungsanlage besteht aus zwei Paral-
lelstraßen, die von zwei orthogonal dazu ver-
laufenden Querstraßen gekreuzt werden
(Mansfeldstraße, Martensplatz). An die östli-
che Querstraße gliedert sich ein größerer qua-
dratischer Platz an, der heute als baumbe-
standene Grünfläche und Kinderspielplatz ge-
nutzt wird. Die freistehenden Gebäude reihen
sich auf beiden Seiten der Menzel- und
Schnabelstraße aneinander. Auf der südli-
chen Rückseite der Schnabelstraße und der
nördlichen Rückseite der Menzelstraße liegen
jeweils größere Gärten (600m2 bzw. 450m2).
Die gegenüberliegenden Gebäude, die den
Mittelblock der Siedlung bilden, sind ohne grö-
ßere Gärten errichtet worden. Kleine Höfe mit

Ricklinger Masch, Schneller Graben mit Wehr und Kraftwerk


Ricklinger Masch, Eisenbahnbrücke, 1909 Ohedamm, Eisenbahnbrücke, 1872


Schnabelstraße, Blick nach Westen ab Nr. 54


Menzelstraße, Blick nach Osten ab Martensplatz


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