Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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Die Bockmerholzstraße wird heute im mittle-
ren Abschnitt entscheidend durch eine Reihe

Als weitere Ortsentwicklung wurde im dritten
Viertel des 19. Jh. im Westen des Dorfes an

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von Backsteinbauten geprägt, die sich an der
Ostseite der Straße aufreihen. (Nr. 7, 9, 13).
Der älteste und zugleich bedeutendste Bau ist
das 1848 von G.L. Comperl errichtete ehema-
lige Forsthaus (Nr. 7), der erste Massivbau,
der in Wülferode entstand. Der giebelständige
schlichte Backsteinbau wurde auf einem ho-
hen Sockel aus Sandsteinquadern gesetzt
und ist lediglich durch einen Fries am Trauf-
und Giebelgesims geschmückt. Die gut pro-
portionierte Fassade besitzt einen mittigen,
über eine einläufige Treppe erreichbaren Ein-
gang. Im hannoverschen Raum stellt das Ge-
bäude ein sehr frühes Beispiel der Backstein-
architektur im ländlichen Bereich dar. Der
Nachbarbau Nr. 9 ist als Ersatz für das alte
Wohnhaus einer Kötnerstelle um 1880 in An-
lehnung an städtische Formen errichtet wor-
den. Möglicherweise spielte die gestalterische
Anpassung an das Forsthaus auch eine wich-
tige Rolle. 1904 entstand das eingeschossige
Wohnwirtschaftsgebäude Nr. 13, das mit sei-
ner seitlichen Quereinfahrt einen für Hanno-
ver recht ungewöhnlichen und gut erhaltenen
Bautypus darstellt.

der Straße nach Bemerode der jetzige Fried-
hof angelegt, der noch heute mit der umge-
benden Backsteinmauer, einigen älteren
Grabsteinen und den schmiedeeisernen
Grabstelleneinfassungen besonders gut er-
halten ist. Das vor dem Eingang aufgestellte
Kriegerdenkmal erinnert an die beiden großen
Weltkriege.
Als weiterer Gedenkstein befindet sich im
Bockmerholz der sogenannte Försterstein,
der im 19. Jh. durch den Förster Sabiel selbst
aufgestellt wurde.
Im Südosten und Nordosten des Ortes sind in
den letzten Jahren zwei größere Einfamilien-
hausgebiete entstanden, die den insgesamt
dörflichen Charakter etwas beeinträchtigen.

Bockmerholzstraße 7, 9,13


Wülferoder Straße, Friedhof



Burgwedeler Straße 31,
Ausflugsgaststätte, um 1840


Der Stadtteil liegt unmittelbar nördlich der
1936 fertiggestellten Autobahn, die die Gren-
ze zu Bothfeld bildet. Sein fast rechteckiges
Gebiet schiebt sich von Süden in den Bereich
des Landkreises Hannover vor und bis nahe
an die Niederhäger Bauerschaft/Isernhagen
heran.
Seit 1910 lenkte die reizvolle Landschaft mit
Waldbeständen und Wiesenflächen zwischen
Bothfeld und Isernhagen das Interesse von
Bauwilligen auf diese Gegend, die durch den
„Fasanenkrug“, ein Ausflugslokal mit Gebäu-
de von etwa 1840 (Burgwedeler Straße 31),
allgemein bekannt und als Endstation der
Straßenbahn gut erschlossen war. In der Fol-
gezeit entstanden zu beiden Seiten der Burg-
wedeler Straße und vor allem an westlichen
Querstraßen 1 V2- bis zweigeschossige Land-
häuser mit meist nur einer Wohnung. Wäh-
rend vor dem Ersten Weltkrieg vorwiegend
Putzbauten mit Zierfachwerk errichtet wur-
den, kamen in den zwanziger und dreißiger
Jahren Putzgebäude mit Klinkerdekor hinzu.
Die Häuser stehen häufig in ausgedehnten
Gärten. Bis heute herrscht Einfamilienhaus-
bebauung vor, in die sich einige größere Kom-
plexe geschoben haben. Der besiedelte Be-
reich nimmt etwa Vi der gesamten Stadtteilflä-
che ein und ist noch immer von Wald, Heide,
Wiesen umgeben.
Am Nordrand der Siedlung findet sich ein be-
sonders aufwendiges Landhaus, das der Ar-
chitekt W. Haack 1938 für einen hannover-
schen Kaufmann entwarf. An dieser Anlage
läßt sich nachvollziehen, in wieweit sich das
von den Nationalsozialisten propagierte land-
schaftgebundene Bauen mit dem konservati-
ven Geschmack der Bevölkerung deckte und
sich bei privaten Bauherren als „Heimatstil“
realisierte. Seit 1956 wird dieser in seiner Art
duchaus qualitätsvolle Komplex als Schule
genutzt (Echternfeld 27).
49 BRINK-HAFEN

Die Grenze von Brink-Hafen, ehemals zur
Feldmark des Dorfes Brink gehörend, folgt der
Vahrenwalder Straße vom Mittellandkanal in
nördlicher Richtung, biegt mit der Heinrich-
Heine-Straße nach Westen um, verläuft durch
das Gewerbegebiet bis zur Max-Müller-Stra-
ße, folgt dieser bis zur Autobahn, umfaßt Teile
der Autobahn bis zur Brinker Hafenbahn, be-
gleitet diese bis zum Mittellandkanal, mit dem
sie bis zur Vahrenwalder Straße verläuft.
Die Ansiedlung von Gewerbe in diesem Be-
reich begann auf Vinnhorster Gelände. Be-
günstigt durch den Bau der Eisenbahn mit der
Möglichkeit für Fabrikgleisanschlüsse, durch
die Nähe zur Hauptausfallstraße nach Norden
- Vahrenwalder Straße, Chaussee nach Sta-
de - und durch den in den späten neunziger
Jahren geplanten, 1916/17 fertiggestellten
Mittellandkanal mit Brinker Hafen (Brinker Ha-
fengesellschaft, gegründet 1912, Kombina-
tion von Wasser- und Schienenweg) entwik-
kelt sich hier ein ausgedehntes Gewerbege-
biet mit einigen wenigen Wohnhäusern, die
meistenteils als Werkswohnungen errichtet
wurden. Die Initialzündung für diese Entwick-

Echternfeld 27, Landhaus, 1938,
Architekt W. Haack

Vahrenwalder Straße 255/257, Wohnhausgruppe
„Helenenhof“, 1922, Architekt L. Thiele

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