Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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52 MISBURG-ANDERTEN

Der Stadtteil Misburg-Anderten wird im Nor-
den durch die Eisenbahnlinie Hannover-
Braunschweig begrenzt. Im Westen verläuft
die Grenze am Landwehrgraben (Tiergarten)
zu Kirchrode, im Süden in unregelmäßiger Li-
nie durch die Feldmark zu Bemerode. Im
Osten schließt sich etwa im Verlauf der A7 der
Landkreis Hannover an.
Anderten wird erstmals um 985 als „Onder-
tunum“, die Siedlung „Hinter dem Zaun“, er-
wähnt. Der auslaufende Höhenrücken des
Kronsbergs bot mit seinen Wasserquellen ei-
ne günstige Möglichkeit der Ansiedlung.
An dem „Am Bache“ genannten Platz befand
sich bis vor wenigen Jahren ein Dorfteich, um
den herum sich die Bauernhöfe auf leichter
Anhöhe aufreihten. Um 1585 gab es in Ander-
ten 50 „Reihehöfe“, von denen vier Vollmeier,
elf Halbmeier und 35 Kötnerhöfe waren. Der
Kembereich des Dorfes um den Platz Am Ba-
che hat sich heute zwar in seiner älteren
Struktur erhalten, die Bebauung mit Hofanla-
gen ist jedoch bis auf wenige Ausnahmen
nicht mehr vorhanden. Im Osten wird der Platz
durch die Baumgruppe des alten Teiches, im

Süden durch ein Kriegerdenkmal der beiden
Weltkriege gefaßt. Den westlichen Abschluß
bilden zwei der letzten landwirtschaftlich ge-
nutzten Hofanlagen, während etwas weiter
nördlich in der Lindenstraße die Reste der al-
ten Kapelle (heute St. Martins-Kirche) das
ehemalige geistliche Zentrum dokumentieren.
Von dem wohl zwischen 1400 und 1450 ent-
standenen Backsteinbau (1597 erstmals er-
wähnt) ist nur noch der dreiseitige Chorab-
schluß und ein Joch erhalten. 1954 erhielt die
Kapelle ihr heutiges Aussehen.
Die platzbegrenzende Hofanlage Freiding-
straße 3, ein ehemaliger Halbmeierhof, beein-
druckt neben ihrer ungewöhnlichen Anord-
nung als Vierseithof besonders durch die gute
Gestaltung des Wohnhauses. Das zum Platz
orientierte zweigeschossige Backsteingebäu-
de entstand 1888 mit gotisierenden Formen in
Anlehnung an städtische Wohnhausvorbilder.
Besonders aufwendig geschmückt ist das mit-
tige Zwerchhaus mit seinen Fialen und den
spitzbogigen Fensterbekrönungen sowie das
Traufgesims mit einer Ziegelziersetzung. Die
rückwärtigen Wirtschaftsgebäude, ursprüng-
lich Fachwerkbauten, wurden inzwischen in
Teilbereichen massiv verändert.

Der benachbarte Hof Freidingstraße 4, ein
ehemaliger Vollmeierhof, ist in seiner Grund-
konzeption ebenfalls eine Vierseitanlage, hier
jedoch mit einem zurückgelegenem Wohnge-
bäude, einem relativ schlichten zweigeschos-
sigen Backsteinbau, der um 1895 errichtet
wurde. Die einfache Gliederung des Hauses
erfolgt durch flache Lisenen, ein breites
Zwerchhaus betont die Mitte. Das älteste Ge-
bäude des Hofes ist die unmittelbar neben der
Einfahrt gelegene Längsdurchfahrtsscheune
von 1848. Die Ziegelausfachung des Fach-
werkbaus ist auf den Giebelseiten weiß über-
strichen worden. Unmittelbar an die Scheune
anschließend und die westliche Hofbegren-
zung bildend, liegt das wohl interessanteste
Gebäude, der ehemalige Kuhstall. Der lang-
gestreckte eingeschossige Backsteinbau ent-
stand 1894. Besonders aufwendig gestaltet
wurde die Hofseite, wo über der mittigen Ein-
fahrt ein breites Zwerchhaus mit profilierten
Rundbogenfenstern und seitlich angeordne-
ten Halbsäulen einen markanten Akzent setzt.
Zu erwähnen ist die Einfassung des Tores mit
schlanken gedrehten Säulchen. Interessant
ist die Innenausstattung des für damalige Ver-
hältnisse hochmodernen Stalls: Über die ge-

Lindenstraße 1, Chor der ehern. Kapelle Freidingstraße 3, Wohnhaus, 1888 An der Schafbahn 3, Wohnwirtschaftsgebäude,
1810


Freidingstraße 4, Hofanlage Freidingstraße 4, Kuhstall, 1894


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