Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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hochgesetzten, über Balkenköpfen auf profi-
lierten Knaggen vorkragenden Schwelle des
verbreiterten Giebels findet sich die vollstän-
dig erhaltene Inschrift.
Schräg gegenüber liegt das ehemalige Hirten-
haus, das 1707 aus der Anbauernstelle her-
vorgegangen war. Der Dreiständerbau mit
1 ^-stockigem Wohnteil unter durchlaufender
Traufe hat neben der ursprünglichen Inschrift
auch Teile der ursprünglichen Ausfachung mit
Raseneisenstein von 1835 bewahrt (Wisch-
kämpe 19).
Nach der Verkopplung und Ablösung baute
der Eigentümer des Hirtenhauses etwa 1850
auf seinem Grundstück ein kleines Fach-
werkhaus zum Vermieten, das 1864 von der
Gemeinde als neues Schulhaus erworben
wurde (Alt Vinnhorst 64).
DAS INDUSTRIEGEBIET
Die Heidebahn mit Haltepunkt in Vinnhorst
tangiert das Dorf am Ostrand; als der Bahn-
damm im frühen 20. Jh. aufgeschüttet wurde,
trennte er den Dorfbereich vom heutigen Indu-
striegebiet ab. Knapp östlich der Bahnlinie an
städtebaulich bedeutender Stelle als prä-

gnanter Endpunkt der Beneckeallee (Nr. 40)
steht der 1898 nach Plänen von Kersjis errich-
tete Verwaltungsbau der Hannoverschen
Wachstuch- und Lederfabrik.
Nicht weit entfernt findet sich am kanalnahen
Abschnitt der Beneckeallee ein weiteres ehe-
maliges Verwaltungsgebäude (Nr. 32) aus
den Jahren 1921/22, das sich durch den kubi-
schen Baukörper mit Flachdach, seine Pro-
portionen und die expressionistische Gestal-
tung der Klinkerfassaden mit zweischichtigen,
am Rand gesägten Vorlagen, die sich in Höhe
des fünften Geschosses zur Gebäudeober-
kante hin ausfächern, in auffälliger Weise von
der Umgebung isoliert. Der Entwurf stammt
von Poelzig, der diesen Bau als ersten Ab-
schnitt eines unvollendeten, nach Norden um
acht Achsen größeren Komplexes errichtete,
daher die ungestaltete Nordfassade. Bereits
1926 übernahm die Stadt Hannover den „Tor-
so“. Wenngleich das Gebäude zu Beginn der
fünfziger Jahre den bedeutenden, die drei
nördlichen Achsen umfassenden Eingangs-
bereich - Eingang und Halle - zugunsten der
Wohnnutzung verlor, stellt es immer noch ein
wichtiges Zeugnis „expressionistischer“ Ar-
chitektur in Hannover dar.

471 BEMERODE

Der Stadtteil Bemerode, der im Westen und
Norden von den Stadtteilen Mittelfeld, Seel-
horst, Kirchrode und Misburg-Anderten um-
schlossen wird und im Süden und Osten an
den Landkreis Hannover grenzt, ist in die Orts-
teile Bemerode, Wülferode und Kronsberg un-
tergliedert. Bemerode umfaßt den nordwestli-
chen Bezirk.
Bemerode entstand neben Kirchrode, Wülfe-
rode und weiteren wüst gewordenen Dörfern
durch die von den Hildesheimer Bischöfen im
10. und 11. Jh. durchgeführte Rodungskoloni-
sation. Das Dorf entwickelte sich bis zur Mitte
des 19. Jh. im Bereich der Gabelung der Stra-
ße, die von Wülferode nach Wülfel und Kir-
chrode führte (Wülferoder Straße, Wülfeler
Straße, Brabeckstraße). Etwa zu dieser Zeit
entstand als Verbindung der Wülfeler Straße
mit der Brabeckstraße (früher Kirchröder Stra-
ße) die Straße Hinter den Höfen. Die drei
Straßen bilden heute die Grundrißstruktur des
alten Dorfes. Einen Ortsmittelpunkt, wie er in
anderen hannoverschen Dörfern häufig im
Bereich um die Kirche bzw. Kapelle zu finden
ist, gibt es im Bemerode nicht.

Alt-Vinnhorst 129, Altenteilerhaus, 1817


Wischkämpe 19,
Wohnwirtschaftsgebäude, 1835


Beneckeallee 32, Verwaltungsgebäude, 1921/22, Architekt H. Poelzig Beneckeallee 40, Verwaltungsgebäude, 1898,
Architekt Kersjis


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