Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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halbrunden Anbau auf der Rückseite schließt
der Park an, dessen westlicher Teil durch
einen großen Teich beherrscht wird. Ein klei-
nes Gartenhäuschen in Fachwerk bildet hier
einen besonderen Blickfang. Die an der Stra-
ße und der Zufahrt gelegenen Nebengebäu-
de, schlichte Putzbauten im Stil der Villa,
waren ursprünglich Wohnungen für die Be-
diensteten. Die heutige Nutzung des Komple-
xes als Institute der Tiermedizinischen Hoch-
schule brachte es mit sich, daß in den letzten
Jahren eine Reihe Neubauten insbesondere
im südlichen Teil des Parks entstanden, die
durch Größe und Gestaltung die Gesamtanla-
ge beeinträchtigen.
Neben den erwähnten großzügigen Komple-
xen wurden zeitgleich und im räumlichen Zu-
sammenhang einige weitere Villen errichtet,
die in Größe und Gestaltung den Landhäusern
der dorfnahen Gebiete entsprechen. Beson-
ders zu erwähnen ist das um 1910 gebaute
Haus Bemeroder Straße 55, ein in kleinem
Parkgelände gelegener zweigeschossiger
Putzbau auf hohem Natursteinsockel. Durch
diverse Anbauten erhält das Gebäude ein
stark durchgebildetes Äußeres.

Bünteweg 17, Pavillon im Park, um 1912


Der Beginn der Besiedlung in dem genannten
Bereich erfolgte durch eine Gastwirtschaft. Im
Jahr 1900 entstand inmitten von Feldern und
Ödland etwa auf halbem Wege zwischen Bi-
schofshol (siehe Teil 1, S. 140) und Bemerode
die sogenannte „Hahnenburg“, heute Beme-
roder Straße 63. Das z.Z. wieder als Gaststät-
te genutzte Gebäude entspricht im Stil der Vil-
lenarchitektur der damaligen Zeit, ist jedoch in
seiner Größenordnung erheblich bescheide-
ner. Besonders durchgestaltet wurde die zur
Straße orientierte Hauptfassade durch Türm-
chen, Erker, Balkone und eine hölzerne Zier-
konstruktion im Giebel des Risalits. Die heute
an beiden Seiten vorhandenen Anbauten wur-
den erst in jüngster Zeit verändert bzw. neu
hinzugefügt.
DIE BEBAUUNG ZWISCHEN EILENRIEDE
UND EISENBAHN
Mit direkter Anbindung an die Eilenriede war
im Jahre 1879 zwischen dem Grenzgraben
und der neu angelegten Bleekstraße der heu-
tige Birkenhof entstanden. Das ursprünglich
als „Magdalenium Kirchrode“ vom Vorsteher
der Henriettenstiftung, Pastor D. Johannes


Bemeroder Straße 55, Villa, um 1910

Büttner, gegründete Heim wurde für „gefähr-
dete Mädchen und Frauen in Stadt und Pro-
vinz Hannover“ eingerichtet. Die ersten
Gebäude, das ehemalige Haupthaus mit Gärt-
nerwohnung und Stall, sind heute als Teil ei-
ner durch Neubauten ergänzten Gesamtanla-
ge relativ unverändert erhalten geblieben.
Das Haupthaus, von der Straße zurückgele-
gen, ist ein zweigeschossiger Backsteinbau
mit Drempel in gotisierenden Formen. Der
über T-förmigem Grundriß errichtete Bau
nimmt im Ostteil die Büros und Unterkünfte
auf, während im westlichen Kopfbau, getrennt
durch ein großes Treppenhaus, die Kapelle
eingerichtet ist. Die rückwärtigen Anbauten
des Wirtschaftstraktes wurden in späterer Zeit
ergänzt. Das ehemalige Gärtnerwohnhaus ist
durch einen Torbogen an die Ostseite des
Haupthauses angebunden. Beide Gebäude
bilden heute den dominierenden Teil der Ge-
samtanlage.
Bei der weiteren, nur zögernd erfolgenden
Aufsiedlung der Bleekstraße entstand in den
neunziger Jahren ein Bau mit besonders auf-
wendiger Fassade, der heute auf dem Ge-
lände der Blindenschule liegt, Nr. 22 F. Der
zweigeschossige Putzbau ist mit reichem ba-


Bemeroder Straße 63,
Gaststätte „Hahnenburg“, 1900


Hermann-Löns-Park, Eisenbahnbrücke, 1909



Bleekstraße 20, „Birkenhof“, Hauptgebäude, 1879

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