Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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festraße. Gegenüber dem Haupteingang des
Friedhofs liegt eine Ziegelei, die als erste bau-
liche Anlage an der Straße seit den fünfziger
Jahren des 19. Jh. nachweisbar ist. Nach Nor-
den schließt sich eine sehr heterogene Be-
bauung an, deren ältester Bestand niedrige
Arbeiterwohnhäuser von teilweise guter Qua-
lität sind (z.B. Hemelingstraße). Die in den
Jahrzehnten um die Jahrhundertwende als
mehrgeschossige Backstein- und Putzbauten
errichteten Miethäuser zeigen die Umwand-
lung des Dorfes Stöcken in einem Stadtteil
Hannovers an.
Die Ausweitung der Besiedlung östlich der
Freudenthalstraße und nördlich der Moorhoff-
straße setzt zwar schon um 1940 ein. Eine
durchgreifende Erschließung als Wohngebiet
auch östlich der Hogrefestraße fand jedoch
erst nach 1950 statt.
Mit der 1938 erfolgten Einrichtung der Conti-
nental-Gummiwerke AG nördlich des Dorfes
Stöcken am Mittellandkanal und dem 1956 in
Betrieb genommenen, sich östlich anschlie-
ßenden VW-Werk schließt ein breiter Indu-
striegürtel die Stadt Hannover nach Norden
ab.

Städtisches Krankenhaus „Heidehaus“
(Am Leineufer 70)
Weit außerhalb des Dorfes Stöcken liegt an
der nordwestlichen Stadtgrenze das Kranken-
haus Heidehaus. Das Gelände der Lungen-
heilstätte dehnt sich auf einem parkähnlichen
Waldgelände nördlich des Mittellandkanals
aus. Die im Pavillonsystem seit 1906 erbaute
Anstalt erhielt 1906/07 13 Häuser, 1915/17
entstanden weitere zwei und 1926-30 errich-
tete das Stadtbauamt unter Elkart die letzten
der insgesamt 19 Gebäude bzw. führte Moder-
nisierungen durch. Die ein- und zweigeschos-
sigen Bauten sind durch landhausähnliche
Gliederungselemente charakterisiert: Hellro-
ter Backstein an den Untergeschossen wech-
selt mit weißen Putzflächen mit Backstein- und
Fachwerkdekor in den Obergeschossen; die
Dächer springen weit auf Holzkonsolen vor,
die Drempelgeschosse sind z.T. mit Schiefer
oder Holzbrettern verkleidet. Turmartige Auf-
bauten, Loggien und Holzbalkone unterstrei-
chen den „Wohnhauscharakter“ dieses Sana-
toriums. Die Bauten der zwanziger Jahre sind
in Proportion und Bauelementen den beste-
henden Gebäuden angepaßt.

19 MARIENWERDER

Der 1928 nach Ankauf des Klosterguts durch
die Stadt eingemeindete Klosterbezirk Ma-
rienwerder liegt im äußersten Nordwesten des
Stadtgebietes, an das er nur im Nordosten an-
grenzt (Autobahn Hannover-Dortmund, Bun-
desstraße 6). Er greift sonst weit in den Land-
kreis hinein nördlich der stark mäandrieren-
den Leine, die an dieser Stelle durch eine
Sanddünenreihe zu einem südwestlichen
Verlauf gezwungen wird.
Bis weit in das 20. Jh. bestanden in dem Stadt-
teil als bauliche Anlagen nur das Kloster und
das ursprünglich nördlich gelegene, nach dem
Zweiten Weltkrieg aufgelöste Gut, dessen
Fläche heute teilweise von Wohnbebauung
eingenommen wird. Die nach 1945 entstande-
nen Wohnhäuser erstrecken sich nach We-
sten südlich der Garbsener Landstraße. Ein
großer, südlich des Mittellandkanals liegender
Industriebetrieb wird durch Waldflächen von
dem Kloster- und Parkbezirk getrennt, die
noch heute des Gesamtbild Marienwerders
wesentlich bestimmen.


Am Leineufer 70, Lungenheilstätte „Heidehaus“, Verwaltung

Am Leineufer 70, Lungenheilstätte
„Heidehaus“, Haus 8


Am Leineufer 70, Lungenheilstätte
„Heidehaus“, Haus 10

Stöckener Friedhof, Grabstelle Homeyer,
1917, Entwurf B. Hoetger


Marienwerder, ehern. Klosterkirche


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