Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Twachtmann-Schlichter, Anke [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 14,1): Stadt Hildesheim: mit den Stadtteilen Achtum, Bavenstedt, Drispenstedt, Einum, Himmelsthür, Itzum, Marienburg, Marienrode, Neuhof, Ochtersum, Sorsum, Steuerwald und Uppen — Hameln, 2007

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44417#0233
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Friedrich Küsthardt (1900) mit einer von ihm
geschaffenen Skulptur, der Allegorie der Liebe.
Am östlichen Ende des Straßenabschnittes liegt
das für den renommierten Hildesheimer
Architekten Stephan Sommer erbaute Wohn-
haus Butterborn 30. Den dreigeschossigen
Putzbau kennzeichnet ein Drempelgeschoss
aus Fachwerk und ein symmetrisch gesetzter
Erker mit abschließendem Balkon an der zur
Straße ausgerichteten Nordfassade. Der bis in
die Dachzone gezogene Eckerker erzeugt eine
spannungsreiche Asymmetrie in der Fassaden-
gestaltung. Vornehmlich in den Brüstungsfel-
dern lockern Schmuckformen das in das Jahr
1903 datierte Gebäude auf.

Zwischen Hauptbahnhof und Flugplatz
Die Entwicklung der Nordstadt orientierte sich
vor allem an der neuen Bahnlinie und an der
Errichtung des Hauptbahnhofes im Jahre 1884.
Mit dessen Anlage auf bislang unbebautem
Gebiet ergaben sich neue Ausdehnungs-
möglichkeiten für die wachsende Stadt und den
dringend benötigten Wohnraum. Als Hinweis
auf eine frühe Besiedelung dieses Gebietes
mag der Straßenname „Altes Dorf“ gelten,
heute nördlich des Bahnhofes gelegen. Bei
dem 1135 erstmals urkundlich erwähnten Alten
Dorf dürfte es sich möglicherweise um einen
altsächsischen Einzelhof Hiltwins, eines Ad-
ligen, gehandelt haben, aus dem dann im Ver-
lauf der Jahrhunderte der Name Hildesheim
entstanden sein soll.

Hildesheim, Leunisstraße/Ecke Hochkamp


Geprägt wurde der Stadtteil durch das sich neu
ansiedelnde Industriegewerbe mit rauchenden
Fabrikschornsteinen und großen Lagerhallen,
vor allem im Westen der Nordstadt, denkt man
an die Zuckerraffinerie und das Senkingwerk.
Parallel dazu entstanden Arbeiterwohnviertel
aufgrund der herrschenden Wohnungsnot mit
mehrstöckigen Mietshäusern, sowohl in offener
wie auch geschlossener Blockrandbebauung.
Die Bebauung richtete sich vor allem entlang
der Ausfallstraßen in Richtung nach Hannover
und Peine, heute Steuerwalder Straße und
Peiner Straße, aus. Geplant war scheinbar eine
Verdichtung der Wohnbebauung zwischen den
strahlenförmig nach Norden verlaufenden
Achsen. Die Begrenzung im Norden bildetet die
heutige Martin-Luther-Straße, vormals Karolin-
gerring und erst 1932 umbenannt zu Ehren des
Reformators. Andererseits war das Viertel auch
geprägt durch die Ansiedlung von Handwerks-
betrieben und kleineren Fabriken.
Beispielhaft für die ursprüngliche Bebauung ist
die zwischen 1894-1896 errichtete Gruppe von
Vierfamilienwohnhäusern Hochkamp 1/Leunis-
straße 4-10. Sie prägen mit ihren Fassaden im
Stil der Neugotik bzw. der „Hannoverschen
Schule“ den Straßenzug nachhaltig. Symme-
trisch angeordnete Zwerchhausgiebel und
Ziegelziersetzungen rhythmisieren die in offener
Blockrandbebauung errichteten zweigeschos-
sigen Gebäude mit ausgebautem Dachge-
schoss, die der Architekt für sich errichten ließ.
Wenn auch die Parzelle Leunisstraße/Hoch-
kamp nicht die typische Eckbebauung darstellt,

Hildesheim, Langer Garten 19


229
 
Annotationen