Sänger, Falk-Reimar [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 21): Landkreis Lüchow-Dannenberg — Braunschweig, 1986

Seite: 17
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siedelt (Güstritz). Im frühen 19. Jh. wurden nach Totalbränden auch völlige Neuordnun-
gen der Siedlungsform durchgeführt. Dabei kam es zu Umwandlungen von Rundlingen
in Reihendörfer (Groß Breese, Simander, Lanze, Schaafhausen, Nemitz) und zu Teilum-
wandlungen (Jabel, Volzendorf). Seit dem frühen 19. Jh. deutete sich eine gewisse Re-
naissance der Rundform an, als nach Bränden etliche Rundlinge mit besonderer Regel-
mäßigkeit wiedererrichtet wurden (Saaße). Die Abnahme der Brandschäden gegen
Ende des 19. Jh. ist offenbar auf die zunehmende Abkehr vom Weichdach zurückzufüh-
ren.
Die heutige Bausubstanz der Rundlinge entstand im wesentlichen in dem durch die
Agrarreform beherrschten Jahrhundert von 1770 bis 1870. Da es danach nie wieder zu
einer positiven Konjunktur in diesem Bereich kam, hat keine neue Bauphase, vor allem
nicht die massenhafte Abkehr vom traditionellen Hallenhaus diese Landschaft erreicht
und die alte Siedlungsform zerstört. Damit blieb im Landkreis Lüchow-Dannenberg die
vorindustrielle Haus- und Siedlungslandschaft erhalten. Das Ausbleiben einer neuen
Konjunktur, was zunächst konservierend wirkte, bedroht diese Landschaft nun jedoch
indirekt durch das ständige Sinken der Bevölkerungszahl seit 1871. Dieser Trend hält bis
heute an und geht mit dem Konzentrationsprozeß in der Landwirtschaft einher, der zu ei-
ner kleineren Zahl größerer wirtschaftlicherer Höfe führt. Viele der kleinen Hofstellen in
den Rundlingen werden aufgegeben; die Gebäude werden verlassen, bleiben ungenutzt
und verfallen. Anhand älteren Kartenmaterials wurden für das Jahr 1800 etwa 200 Rund-
linge im heutigen Kreisgebiet ermittelt. Davon haben sich bis heute nur noch die Hälfte
erhalten. Die Tendenz ist weiter sinkend.
Neben den einst dominierenden Rundlingen gibt es auch eine Reihe von Orten, die an-
deren Siedlungsformen zugehören. Hierzu zählen die Einzelsiedlungen, die nicht selten,
aber infolge ihrer geringen Größe wenig auffällig sind. Nicht immer läßt sich klären, ob
solche Höfe von Anfang an als Einödhof angelegt wurden (Mailage), oder ob sie das
Überbleibsel eines Wüstungsprozesses sind (Spranz, Wulfsahl). Naturräumliche Bedin-
gungen erforderten oft auch die Einzellage von Wassermühlen (Brüchauer Mühle, Jas-
selmühle, Beutower Mühle).
Gutshöfe sowie deren Vorwerke jeweils in Einzellage nehmen oft den Platz eines älteren
Bauerndorfes ein (Meudelfitz, Wirl). Die große Entfernung zur Weide bei Strachau führte
zum Bau der als „Strachauer Katen“ bekannten Hirtenwohnungen in Einzellage.
Die Reihensiedlungen des Öring (Lübbow, Rebenstorf, Dangenstorf) heben sich deut-
lich von den Rundlingen ab. Auch Langendorf sowie das haufendorfartig erweiterte
Quickborn gehören hierzu. Sie sind vermutlich in einer jüngeren Periode des Landaus-
baues entstanden. Dies gilt auch für die Marschhufendörfer, deren Anlage Anschüttun-
gen oder aber die Eindeichung der Marschen voraussetzte. Sie finden sich an der Elbe
bei Dannenberg (Barnitz, Damnatz, Brandleben) oder bei Gartow (Kapern, Gummern,
Holtorf). Völlig aus dem Rahmen der sonst vorkommenden Siedlungsformen fällt das
Dorf Bösel. Es kann als einziger Ort des Kreises als Platzdorf angesprochen werden.
Luckau und Jeetzel mit ihren lanzettförmigen Dorfplätzen und durchlaufenden Straßen
sind dagegen eher den Angerdörfern zuzurechnen. Auch einige Neugründungen des
18. Jh. sind im Kreis vorhanden. Bei der Anlage von Kiefen auf dem Gelände der gleich-
namigen Domäne wurde die einseitige Reihe bevorzugt. Neu Darchau dagegen hat sich
aus bescheidenen Anfängen zu einem regionalen Zentrum mit stadtähnlicher Struktur
entwickelt. Dragahn wiederum entstand durch streusiedlungsartige Wiederbesetzung
einer ehemaligen Schäferei. Reine Streusiedlungen gibt es dagegen nicht. Am ehesten
kommen diesem Siedlungstyp einige Orte im Hohen Drawehn (Reddien, Glieneitz) na-
he.
Baugeschichte
Burgen, Amtssitze, Schlösser, Herrenhäuser
Im Gebiet des Landkreises Lüchow-Dannenberg als ehemaligem Grenzland gab es ur-
sprünglich recht zahlreiche Burgen. Mit Ausnahme der früheren Befestigung auf dem
Weinberg bei Hitzacker und den beiden Schanzen auf dem Höhbeck handelte es sich
immer um Niederungsburgen. Diese frühmittelalterlichen Anlagen waren ausschließlich
primitive Holz-Erde-Burgen, die sich heute nur noch als völlig überwachsene künstliche
Erderhebungen im Gelände abheben (Meetschow, Elbholz) und häufig noch der archäo-
logischen Erforschung bedürfen. Andere sind ganz verschwunden (Schnackenburg, Pö-
litz). Wurden solche frühen Burgen weitergenutzt, so erfolgte jeweils der zeitgemäße
Ausbau. Aus diesen mittelalterlichen Burgen sind häufig Gutshäuser, Schlösser oder
auch Amtssitze hervorgegangen. Nicht wenige Plätze haben alle Stadien dieser Nut-
zung und Zweckbestimmung durchlaufen und können entsprechende bauliche Relikte

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