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Kämmerer, Christian [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 32): Stadt Osnabrück — Braunschweig, 1988

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https://doi.org/10.11588/diglit.44440#0068
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Hauptfassade zur Hasestraße, der durch Fu-
genschnitt im Erdgeschoß, Pilasterstellung in
den Obergeschossen, profilierte Einfassun-
gen, Portal- und Fensterverdachungen und
bekrönende Vasen über dem Dreiecksgiebel
aufwendig ausgebildet ist und mit einer vorge-
lagerten doppelläufigen Freitreppe zusätzlich
Betonung findet. Das im Krieg ausgebrannte
Haus ist heute im Innern vollständig erneuert,
von den beiden, das Gebäude ursprünglich
flankierenden Sandsteinbrunnen in reichen
Louis-seize-Formen - Arbeiten des Bildhau-
ers Georg Gerhart Wessel - befindet sich
heute noch einer im Vorgarten des Hauses
Kleine Domsfreiheit 23. Der bedeutendste
fürstliche Repräsentationsbau des 18. Jh. in
Osnabrück, der den Klassizismus in der Stadt
einleitete, wurde in der Folge künstlerische
Anregung für zahlreiche Bürgerhausfassa-
den, die um 1800 in Osnabrück entstanden.
Auf Initiative einer Anzahl von Bürgern wurde
1836 im Zentrum der Großen Domsfreiheit
das Denkmal für den Osnabrücker Staats-
mann und Geschichtsschreiber Justus Möser
(1720-1794) aufgestellt. Das ursprünglich

von einem Eisengitter umgebene Bronze-
standbild auf hohem Sandsteinsockel wurde
durch den Berliner Rauch-Schüler Friedrich
Drake ausgeführt.
DOMHOF
Die Domhofstraße fällt mit dem Verlauf des al-
ten Heerweges zusammen, der westlich am
Bischofshof entlang zum Haseübergang im
Norden verlief. Am Südende des Domhofs,
am Nikolaiort, befand sich das Südtor der früh-
mittelalterlichen Domburg, am Nordende der
Straße lag südlich des Kanzleigebäudes das
einstige Haupttor des karolingischen Bischofs-
hofes. Hier war unter dem seit 1331 nachweis-
baren steinernen Löwenbild, dem sogenann-
ten „Löwenpudel“, im Mittelalter der Ort des
landesherrlichen Gogerichts. Die heute am
Domhof aufgestellte Löwenfigur ist eine 1925
angefertigte Sandsteinreplik, während das
Original in das Kulturhistorische Museum in
Osnabrück gelangte. Platz und Straße, die un-
ter der Bezeichnung Domhof zusammenge-
faßt sind, waren Teil der mittelalterlichen
Domimmunität. Bis zur Auflösung des Bi-

Domhof4ABC, 1853


Domhof 6, Lortzingstraße 1, 1893,
Architekt Niemeyer


Stadttheater, 1909


stums zu Anfang des 19. Jh. wurde der Dom-
hof gesäumt von den umfangreichen Anlagen
großer Domherrenkurien. Der annähernd
rechteckige Platz westlich von Dom und
Kreuzgang diente bis 1808, als die neuen
Friedhöfe vor der Stadt angelegt wurden, als
Begräbnisplatz des Domkirchspiels. Erst En-
de des 18. Jh. erfolgte die Pflasterung der
Domhofstraße. 1892 wurde zwischen Domhof
und Dielingerstraße die Lortzingstraße ange-
legt. Der ursprüngliche Charakter des Dom-
hofs als eine von Domherrenhöfen geprägte
Zone ging bereits im Verlaufe des 19. Jh. ver-
loren und ist heute durch die Stadtentwicklung
ausgelöscht. Auch von den Nachfolgebauten
haben nur wenige die Kriegszerstörungen
überstanden.
Die zentrale Lage des Domhofs förderte
schon im 19. Jh. seine Entwicklung zu einer
von Geschäftsbauten geprägten Region.
1853 wurde das Wohn- und Geschäftshaus
Domhof 4 A/B/C erbaut, das sich bis zur Ver-
breiterung der Lortzingstraße innerhalb der
geschlossenen Bebauung der Domhofstraße
befand, heute dagegen Eckhaus zur Lort-
zingstraße ist. Der große dreigeschossige
Putzbau mit Sandsteingliederungen und -ein-
fassungen gehört zu den frühesten erhaltenen
Bauten des romanisierenden Rundbogenstils
in Osnabrück. Die breite Fassade, seitlich ge-
rahmt durch Risalite, die um ein Halbgeschoß
erhöht sind, öffnet sich im Erdgeschoß mit
Säulenarkaden und - seitlich - breiten, von
Maßwerk unterteilten Schaufenstern zum
Platz.
Dem Durchbruch der Lortzingstraße im Jahr
1892 fiel die ehemalige Domdechanei, eine
große Domherrenkurie am Domhof, zum Op-
fer. An der neuen Straße entstanden Wohn-
und Geschäftsbauten, von denen das Eck-
haus Domhof 6/Lortzingstraße 1 erhalten
blieb, ein 1893 durch den Architekten Nie-
meyer errichteter dreigeschossiger Bau mit
eklektizistischer Fassadendekoration, dessen
Ecksituation ursprünglich durch eine spitze
Dachhaube über seinem Eckerker markiert
wurde.
Stadttheater
Gleichfalls an der Stelle eines ehemaligen
Domherrenhofs, der bis dahin dem Ratsgym-
nasium als Schulhaus gedient hatte, erbaute
die Stadt 1909 ihr neues Theater in städtebau-
lich hervorragender Ecklage auf der Südseite
des Domhofplatzes (Domhof 10/11). Der Neu-
bau löste das ältere Stadttheater an der Gro-
ßen Gildewart ab, das bereits 1819 eingerich-
tet worden war. Mit der Ausarbeitung eines
Vorentwurfs wurde zunächst Martin Dülfer be-
auftragt. Aus Kostengründen entschloß sich
jedoch 1907 die Stadt, das Theater durch das
Stadtbauamt (Stadtbaumeister Friedrich Leh-
mann) entwerfen zu lassen. Das große, in sei-
nen Massen lebhaft gestufte, gruppierte und
gegliederte Haus - wohl der beachtlichste
Bau des klassizistisch gebundenen Jugend-
stils in Osnabrück - wendet dem Platz seine
in Werkstein ausgeführte Fassade zu, deren
vorschwingender und an den Ecken gerunde-
ter Vorbau das Foyer aufnimmt. Auf die ur-
sprünglich von den hohen Giebelfeldern des
Zuschauerraums und des Bühnenhauses in

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