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Kämmerer, Christian [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 32): Stadt Osnabrück — Braunschweig, 1988

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https://doi.org/10.11588/diglit.44440#0127
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durch meist nur schmale Bauwiche getrennt,
sich zu einem Straßenbild von großer Einheit-
lichkeit zusammenschließen, wie es in dieser
Gestalt in Osnabrück sonst nicht mehr vor-
kommt (Nr. 5-11, 12-13, 34-35, 41-46).
Durchweg handelt es sich um gutbürgerliche,
für eine bis zwei Familien berechnete Wohn-
häuser gehobenen Zuschnitts, deren Fassa-
den in der Regel vier bis fünf Achsen umfas-
sen. Handwerklich stehen sie noch in der älte-
ren Osnabrücker Bautradition als verputzte
Bauten mit Gliederungen und Einfassungen in
Sandstein, zu denen ornamentale Fassaden-
details in Stuck und Terrakotta treten. Ein
überwiegender Teil dieser Häuser sind Spe-
kulationsbauten. Besonders beachtlich die
Gruppe von acht zum Teil als Zwillingsbauten
errichteter Häuser Nr. 5-11, denen das Eck-
haus Katharinenstraße 26 zugehört, mit be-
sonders reicher Fassadengestaltung des
Spätklassizismus (1871-75, Geisler & Mill).
Kleinere Gruppen von Unternehmerbauten
sind Nr. 34-35 (1877 Zimmermeister W.H.
Wiemeyer) und - in zurückhaltenderen For-
men des Klassizismus - Nr. 41 -44 (1871/72,
Maurermeister B. Wolff). Künstlerisch über
dem Durchschnitt des Vorstadthauses der

Arndtstraße 46, Gartenhaus, 1. Hälfte 19. Jh.


Zeit liegt Nr. 13, ein vierachsiger, streng im
klassizistischen Sinne gestalteter Bau von gu-
ten Proportionen, dessen Fassade durch Mit-
telrisalit, Frontispiz, ein kräftiges abschließen-
des Konsolgesims und schöne Einfassungen
der Fenster gegliedert wird. Der 1874 durch
Christian Wilhelm Geisler ausgeführte Bau
stellt den Fähigkeiten eines Maurermeister-
Bauunternehmers um 1870 ein beachtliches
Zeugnis aus. Aus den Zeilen gutbürgerlicher
Vorstadthäuser fällt durch Aufwand und be-
trächtliche Stockwerkhöhen das Wohnhaus
des Holzhändlers Wiemann Arndtstraße 45
heraus, ein breites, palastartiges Haus von
sechs Achsen mit streng gegliederter, ganz in
Sandstein vorgeblendeter Fassade (erbaut
1875, Architekt August Niehaus). Im rückwär-
tigen Teil des Gartengrundstücks befindet
sich ein originell gestalteter Gartenpavillon
von 1924.
KATHARINENSTRASSE WESTLICH
DES HEGER-TOR-WALLS
MIT NEBENSTRASSEN
Die Bautätigkeit an der Katharinenstraße setz-
te 1869 im Kreuzungsbereich zur Arndtstraße


Arndtstraße 5, 1875


Arndtstraße 13, 1874, Maurermeister C.W. Geisler


ein. Die ältesten, hier entstandenen Wohn-
häuser setzen sich von der typenhaften späte-
ren Bebauung der Straße durch eigenstän-
digere Grund- und Aufrisse ab. Landhaus-
charakter zeigt Nr. 33, ein unter Satteldach
stehendes Traufenhaus mit Drempel, an des-
sen fünf Achsen breiter Straßenfassade ein
hoher, zweigeschossiger Mittelrisalit kräftig
vorgezogen ist (1869). Grundsätzlich gleiche
Anlage, jedoch mit den reichen und repräsen-
tativen Formen des Spätklassizismus weist
Nr. 25 an der Ecke zur Arndtstraße auf. Das
eingeschossige Haus mit hohem Sockel und
Drempel, an dessen zur Katharinenstraße ge-
wandter Hauptfassade ein zweigeschossiger
Mittelrisalit mit Frontispiz dominiert, wurde
1873 durch C.W. Geisler für den Fabrikanten
Diedrich erbaut.
Ähnlich wie an der Arndtstraße entstanden in
den folgenden zwei Jahrzehnten im stadtna-
hen Bereich der Katharinenstraße gutbürgerli-
che, für ein bis zwei Familien konzipierte Vor-
stadthäuser, die noch bis in den Anfang der
neunziger Jahre die charakteristische Gestalt
aufweisen, wie sie im Spätklassizismus um
1870 ausgebildet wurde. Fast ausschließlich
sind es zweigeschossige Traufenhäuser von

Arndtstraße 44-41,1871 -72,
Maurermeister B. Wolff


Katharinenstraße 25, 1873, Maurermeister C.W.
Geisler


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