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Kämmerer, Christian [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 32): Stadt Osnabrück — Braunschweig, 1988

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https://doi.org/10.11588/diglit.44440#0130
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9, ein relativ schmales giebelständiges Haus,
in freier Form an die Gestalt des Alt-Osna-
brücker Fachwerk-Giebelhauses an und weist
im hohen Giebel reiches Zierfachwerk auf
(1905, Architekt W. Nietmann). Repräsentati-
ve neubarocke Formen zeigt dagegen das im
selben Jahr gegenüber errichtete Wohnhaus
Rolandstraße 10, ein voluminöser zweige-
schossiger Putzbau mit hohem Mansarddach,
der den Vergleich mit den Villen des Wester-
bergviertels nicht zu scheuen braucht (Archi-
tekt G. Majewski).
MARTINISTRASSE ZWISCHEN
HEGER-TOR-WALL UND ARNDTPLATZ
Als letztes Tor der Stadtbefestigung wurde
1855 die Martinspforte mit zugehöriger Ba-
stion abgetragen. Die Martinistraße verdankte
ihre Entstehung nicht einem älteren Feldweg
vor dem Tor, sondern wurde mit der Aufstel-
lung der Bebauungspläne für die westlichen
Stadterweiterungen neu angelegt. Im Ge-
samtzusammenhang dieser Planung bildet
sie eine der Hauptachsen, die den Bereich der
alten Bürgergärten im Norden von dem regel-
mäßigen Rasterplan der Wüstenbebauung im

Martinistraße 8,1870, Maurermeister C.W. Geisler


Süden scheidet. Die Straße, die am ehemali-
gen Tor ihren Ausgang nimmt, wurde in gera-
der Linie etwa parallel zur Katharinenstraße
nach Westen geführt und schnitt vor dem Tor
einen südlichen Ausläufer des alten Garten-
gebiets. Hier setzte 1869 die Bebauung auf
der nördlichen Straßenseite zwischen Wall
und Arndtplatz ein, der am Schnittpunkt von
Martini- und Arndtstraße angelegt wurde. Die
Südseite dieses Straßenabschnitts wurde erst
nach 1900 parzelliert.
Städtebaulich wirksamer Auftakt der Straße
ist das Gebäude der ehemaligen Mädchen-
Mittelschule, das durch das Stadtbauamt un-
ter Stadtbaurat Lehmann 1912 unmittelbar
angrenzend an das Grundstück der Töchter-
schule am Wall erbaut wurde (Nr. 4/6). Das
Schulhaus war kein vollständiger Neubau,
sondern schließt zwei ältere, 1869 bzw. 1874
erbaute vierachsige Vorstadthäuser ein, die
zusammengebaut und mit einer einheitlichen
Fassade ummantelt wurden, wobei die von
der Straße zurückgesetzte Lage von Nr. 4 in
den Umbau übernommen und geschickt für
die Gestaltung des Gebäudes ausgenützt
wurde. So entstand ein breiter zweigeschossi-
ger Bau von zehn Achsen, der in großen Zü-

gen die Anlage der Vorgängerbauten und
sogar einzelne Fassadendetails einbezieht,
insgesamt jedoch als eigenständige Schöp-
fung wirkt. Seine verputzten Fassaden werden
über einer hohen Sockelzone durch Lisenen
kräftig gegliedert und von einem monumen-
talen Gebälk abgeschlossen. Den streng klas-
sizistischen Fassadenaufbau bereichern
ornamentierte Brüstungsspiegel in den Fen-
sterachsen und ein Portal mit Urnenbekrö-
nung und fein gearbeiteter Tür an der Ecke
des zur Straßenfluchtlinie vorspringenden
Bauteils. Das Walmdach des Hauses zeigt
heute nach Entfernung verschiedener Auf-
bauten eine etwas vereinfachte Gestalt.
Von der Erstbebauung der Martinistraße blie-
ben nur wenige Häuser erhalten. Eines der
schönsten und aufwendigsten Wohnhäuser,
die in den Anfängen der Stadterweiterung vor
den Toren entstanden, ist das der Mädchen-
Mittelschule benachbarte Haus, das sich der
Maurermeister und Bauunternehmer Chri-
stian Wilhelm Geisler 1870 erbaute (Nr. 8).
Geisler, der in den siebziger Jahren des 19.
Jh. eine Vielzahl spätklassizistischer Wohn-
häuser gehobenen Zuschnitts in der sich aus-
breitenden Stadt errichtete, entwarf mit seinem

Rolandstraße 10,1905, Architekt G. Majewski


Arndtplatz 1,1875, Zimmermeister W H. Wiemeyer


Martinistraße 4-6, ehemalige Mädchen-Mittelschule, 1912


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