Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 24,2.1831

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N°. 40 HEIDELB. JAHRB. D. LITERATUR. 1831.

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/en^t. o?YtenB Pro/, d. PMos zu B?esB:M. Pr^^er P<mr/. Bon?:, 1839.
Reine Wissenschaft lehrt uns so einleuchtend die
Wahrheit, als die Moral, dafs die Philosophie nicht
allein auf logische Demonstration oder metaphysische
Speculation vertrauen dürfe, sondern dafs sie ihren letz-
ten Grund in unmittelbaren Thatsachen der Vernunft an-
erkennen müsse, die wir als höchste Grundsätze in allen
unsern Erkenntnissen und Urtheilen voraussetzen, und
die durch die Philosophie nur nachgewiesen, nicht be-
wiesen oder construirt werden können. Am stärksten
kündigen sich unserem Bewufstseyn die sittlichen Grund-
sätze als unmittelbare an, wir urtheilen und handeln
nach ihnen im Leben, und die Wissenschaft vermag
nichts zu thun, als sie als unmittelbare in unserer Ver-
nunft nachzuweisen und auf ihren wahren, reinen Aus-
druck zurückzuführen. Es würde eine sehr räthselhafte
Erscheinung seyn , dafs die Darstellungen der Moral,
von den entgegengesetztesten wissenschaftlichen jGrund-
sätzen ausgehend, doch meist in den Resultaten der
höchsten sittlichen Grundbegriffe Zusammentreffen, wenn
sie sich nicht daraus erklären lielse, dafs eben jene
Grundbegriffe, bewulst oder unbewufst, bei diesen Dar-
stellungen schon vorausgesetzt werden, und dals also die
wissenschaftliche Form sich unw illkührlich diesen Grund-
sätzen anbequemt. Eben daher erklärt es sich aber
auch, dafs in philosophischen Systemen, welche, ohne
Anerkennung der Unmittelbarkeit aller höchsten Wahr-
heit, nur auf Speculation allein vertrauen, die Darstel-
lungen der Moral, wenn sie versucht wurden, entweder
in starkem Widerspruch mit der speeulativen Grundlage
erschienen, oder äufserst mangelhaft und arm gerathen
sind. Man denke nur daran, wie grell die Sittenlehre
Fichte's im Widerspruch auftreten mufste gegen das
XXIV. Jahig. ?. Heft 40
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