Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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Phoebus : Handbuch d. Arzneiverordnungslehre.

auf diese Weise neben der ärztlichen Receptirkunst auch die
pharmaceutische, also neben der Arzneiverordnungslehre fast
auch eine Arzneibereitungslehre. Er giebt jedoch zugleich
auch, um den Begriff Verordnungslehre vollständig zu ma-
chen, alles, was überhaupt zur zweckmäfsigen Anwendungs-
weise von Arzneimitteln aller Art zu wissen gut ist. Dafs
dies ein zeitgemäfses und passendes Unternehmen sey, wird
man wohl nicht bestreiten, denn ohne eine gewisse Kenntnifs
der pharmaceutischen Behandlung selbst und des Hergangs
dabei, wird man wohl nie im Stande seyn, in jedem Falle
mit Leichtigkeit und Sicherheit seinen Mitteln die Form und
die Zubereitung zu geben , die man an ihnen wünscht, oder
zu beurtheilen, woran es fehlt, wenn sie nicht in derselben
aus der Apotheke kommen 5 man wird auch in Verlegenheit
kommen, wenn man dem Wärter oder den Angehörigen sa-
gen soll, wie dies oder jenes Mittel im Hause gehörig zu-
bereitet und angewandt werde. Hauptsächlich von diesem
Gesichtspunkt ausgehend scheint auch der Verf. diesen phar-
maceutischen Theil seinem Buche beigefügt oder eingewebt
zu haben, und es geht gewifs für den Arzt ein Fortschritt
in der gehörigen Benutzung seiner Hülfsmittel daraus hervor,
wenn er auch mit dieser Seite von deren Behandlung bekann-
ter wird. Es kommen täglich Verordnungen in die Apotheke,
über die der Apotheker die Nase rümpft, und nach der Fas-
sung des Rezeptes von dem ganzen Wissen des Arztes eine
üble Meinung schöpft, Verordnungen, die streng auszuführen
dem Apotheker bisweilen kaum möglich ist. Man ist von Sei-
ten der Ärzte überhaupt daran gewöhnt, diese Formen und
die Lehre davon als etwas so leichtes und wenig wichtiges
anzusehen, dafs man gar nicht Lust hat, auch ihr etwas mehr
Zeit zu widmen. Aber man bedenkt nicht da bei, dafs ge-
rade das Verordnen das An wenden der Mittel zum Zweck
ist, und dafs, auch bei der genauesten Kenntnifs vom Zweck,
aber bei mangelnder Kenntnifs der Anwendungsweise der
Mittel, der Arzt gar manchmal etwas ganz anderes geben
wird, als er eigentlich geben wollte, — der Arzt und Kranke
schlecht bestehen werden. Er wird wohl auch in den Fall
kommen , ein Mittel, von dem er vielleicht Erfolg hoffen könn-
te, nicht einmal anzuwenden zu wagen, weil er mit der rich-
tigen Anwendungsmethode unbekannt ist, oder wenn er es
wagt, er Schaden zu thun riskirt.
(Der Beschlufs folgt.)
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