Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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X". 10. HEIDELBERGER 1838.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

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Belletristische Literatur.
(Bes chlufs.)
Der Abend naht, und die schmucken Töchter der patrio-
tischen Wirthe schmachten nach Gallopade und Heldenarm •
ein Walzer überdonnert Schlachten. Nur der polnische Greis
vergräbt den Gram im Bette, läfst die Maske fallen und weint.
Dann zeigt uns der Dichter den Schlufs des Balls:
Verschlungen schreiten nun die Schonen
Den Saal entlang, das Zünglein tanzt,
Der Herzen zarten Saiten tönen,
Des Busens Woge wird verschanzt w
Mit Mänteln, Boa, warmen Shawlen,
Die Mütter harren, Väter zahlen,
,, Ach ! mir gefiel nur der Major,
Er reichte mir das Band von Flor,
Das bei dem Walzen dir entfallen,
Der war der Artigste von Allen;
Wie graciös er es gereicht,
Wie ritterlich, anmuthig, leicht
Die Rechte auf die Brust gedrückt.
Ach ! hätte dieser galoppirt ..... u
„„Nein, Schwesterchen, du hist im Wahne;
Der Artigste war der Uhlane ! “ “ u. s. w.
Ein zweiter Abschnitt schildert den Abschied; ein dritter die
schmähliche Abkühlung' der Stimmung nach einem Jahre. In
gleichem, glücklichem Tone ist der Toast (Sommer 1835)
gedichtet, wo ein patriotisches Zollvereinsfest durch den
malencontrösen Toast eines Jünglings: „Heil dem deutschen
Vaterlande!” fast gesprengt wird. (S. 112 — 115.) Von rei-
cher Bilderfülle und einer Grundlage tiefen Sinnes zeugt auch
das Gedicht „die Invaliden“, das auf der einen Seite den
Lebenslauf eines arabischen Hengstes vom königlichen Hand-
pferde bis zum Karrengaul, auf der andern die Biographie
eines deutschen Helden vom Streiter des grofsen Fritz und
der Völkerschlacht zum Bettler an der Krücke abspielt (S. 116
—149). Auf dieses lange Gedicht folgt ein kleines Liedchen:
„Glaube und Kredit.“ Das Kreuz, sagt der Dichter, an dem
der Gottmensch gestorben, war einst des Glaubens heilig
Zeichen —
Wem seh’ ich dort von Hohen winken?
Wie auf der Brust des Juden blinken
Ein Kreuz von Diamantenreihen ?
Dem Volk, das einst das Lamm geschlachtet,
Ja, denen, die es frech verachtet,
Reicht man es heute, dafs sie —• leihen!
XXXI. Jahrg. 7. Heft,

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