Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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N°. 72. HEIDELBERGER 1838.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Aller thumskunde.
( Beschluf s.)
Das altdeutsche Familiengrab, dessen Monographie Herr Dr.
Mayer in Nr. 8 giebt, befand sich unfern des Pfahlgrabens,
aber aufserhalb oder in Süden desselben, bei dem Pfarrorte
Pfahldorf drei Stunden von Eichstädt. Es war ein Grabhü-
gel, auf dessen aufserordentlich reiche und zusammenhän-
gende Ausbeute zufällig, im Juni 1834, ein Landmann stiefs.
erselbe war jedoch schon von dem Daseyn solcher Todten-
hügel und der Art, wie man bei der Öffnung derselben ver-
fahren müsse, durch einen sehr angemessenen Aufsatz unter-
richtet, den Herr Dr. Mayer hatte in dem Jahre 1833, eben
zur Belehrung des Landvolkes, in den Eichstädter Kalender
setzen lassen. Der Mann rief also den Schullehrer des Or-
tes, Herrn Friederich Wilhelm Schauer, zu Hülfe und
öffnete den Hügel in Gemeinschaft mit dem letztem, der alles
wohl beoachtete, ja selbst ein Protokoll aufsetzte, und dann den
Hrn. Dr. Mayer an Ort und Stelle rief, dafs er alles sammeln
konnte, was er zur Abfassung seiner Abhandlung bedurfte.
Wir geben das Wesentlichste kurz in dem Nachfolgenden an:
Unter einer in regelmäfsiger Rundung von 73 Schritten
Umkreis gelegten Steindecke ruheten die kärglichen Bruch-
stücke dreier menschlichen Skelette, und zwar alle
auf der Muttererde: zwei neben einander von Norden nach
Süden, und die Reste eines dritten ihnen gegen Norden.
Die ersten beiden Skelette waren ein männliches und
ein weibliches. Jenes, das gegen Südwesten lag, hatte
an dem einen Fingerbeine der rechten Hand einen Finger-
ring, der in der Mitte offen und an seinen beiden Enden
mit zweien Spiralen geziert war; neben dieser Hand eine
Pfeilspitze mit sehr scharfen Widerhaken, weiter aufwärts
bei dem Armbuge die Beschläge von 4 Wurfspiefsen; dies--
und jenseits des Schädels zwei dünne, nur 8 im Durch-
messer habende, Spiralcylinder, offenbar Haarzierden, durch
welche man das in Zöpfe geflochtene oder um sich selbst ge-
schlungene Haar schob; und neben dem linken Arme ein
rundes Schildchen ven 1" 3"' Durchmesser mit einem Nagel,
durch den es vielleicht m auf einen Schild genagelt war,
und den Riemenbogen (Y) des Schildes. Unter den Stüraen
und Knochenresten befanden sich viele Kohlen und Geschirr-
scherben gröbster Art. Nur bei den Fiifsen des Skeletts
stand ein etwas feineres Geschirr mit einer Handhabe, und
bei demselben steckten zwei Hirschknochen von dem Flei-
sche eines Todtenessens. — Das weibliche Skelett, links
XXXI. Jalirg. 11. Heft. 72
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