Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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N°. 6 L HEIDELBERGER 1838.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Fortsetzung der Schriften über preussisches Kirchenrecht.
No. 2. hat einen so langen Titel, dafs Ref. sowohl in
Beziehung auf Inhalt als Tendenz dieser Schrift, deren Aus-
führlichkeit sogar dieser lange Titel verräth, darauf verwei-
sen darf, weil eine Rezension des Buchs aufser seinem Be-
rufe liegt. Der Verf. beschwert sich in der Vorrede, dafs
seine Zeitschrift, der canonische Wächter, die bei
Brockhaus erschienen sey, die Ref. aber nie gesehen hat, ira
Königreich Preussen unterdrückt worden und deshalb einge-
gangen sey, er hat aber nichts destoweniger die preussische
Sache in diesem Buche nach seiner eigenen Art verfochten.
Ob diese Art die rechte sey, rnufs Ref. denen zu beurtheilen
überlassen, welche sich besser auf Politik verstehen als er,
und Zeitumstände und Stimmung der Masse, die durch solche
Schriften angeregt werden soll, mehr aus der Nähe zu be-
trachten Gelegenheit haben. Der Verf. ist nämlich zugleich
heftiger Gegner des römisch hierarchischen Systems und der
liberalen Richtung unserer Zeit; er greift auf gleiche Weise
diejenigen an, Avelche in der Hierarchie des Mittelalters das
einzige Heilmittel der Uebel unserer Tage finden, und dieje-
nigen, welche sich der väterlichen im achtzehnten Jahrhun-
derte mit Stock und Ruthe eingeführten Regierung durch Ein-
richtung freierer Verfassungen zu entziehen suchen.
Der wesentliche Inhalt des Buchs scheint nämlich Ref.
darauf hinaus zu kommen, dafs der Verf. desselben zu erra-
then und nachweisen zu können glaubt (und das hat er im
Fortgange des Buchs zu thun versucht), dafs ein dämago-
gisch politischer Plan mit den hierarchischen Versuchen am
Rhein Zusammenhänge. Durch die der absoluten und militä-
rischen Regierungsform günstige Tendenz erhält dann frei-
lich das Buch, so wie durch die Heftigkeit gegen den Erz-“
bischoff, das Ansehen einer förmlichen Anklage und oft so-
gar einer gehässigen Denunciation und Insinuation. Das
Letzte bezieht sich auf die Steile, gleich vorn herein Seite
XXXI. Jahrg. 10. Heft. 61
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