Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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N°. 75. HEIDELBERGER 1838.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Vis eher; Ueber das Erhabene und Komische.
(Beschlufs)
Jenes ist das positiv Tragische, das ent-
steht, wenn uns die subjektive Erhabenheit als Ausflufs
der göttlichen entgegentritt. Das versöhnt uns auch mit
der Härte seiner Energie. (Fatalismus Napoleons und gro-
ser Männer, die sich als Vollstrecker weltgeschichtlicher
Plane fühlen.} Das Subjekt inufs übrigens in seiner Bezie-
hung auf das Absolute auch hier die thatsächliche Erfahrung
von der Einseitigkeit seiner Bestrebungen — seyen sie noch
so gut — machen; es mufs an seinen Einseitigkeiten erkran-
ken und zu Boden sinken: daher der traurige Schlufs einer
Tragödie der natürlichste. Das negativ Tragische ist
das Schicksal. Abweisung der Ansicht Schillers und A.
W. Schlegels, dafs das Tragische auf einem Kampfe zwi-
schen Freiheit und Nothwendigkeit beruhe; denn beim er-
sten Anblick einer Tragödie leuchte ein, dafs unsre Ehrfurcht
nicht der subjektiven Gröfse, nicht der Willenskraft eines
Subjects im Widerstande gegen Äufseres, sondern dafs sie
einem Höheren gezollt wird, welchem das noch so heroische
Subjekt sich unterordnen mufs. Gott nicht der Held ist das
Erhabene. Was Schiller und Schlegel für das Tragische
erklären, gehört in die Lehre von der blos subjectiven Er-
habenheit; daraus entstehen Nebenpersonen im Drama, ins
Schicksal unschuldig verflochten (Kassandra, Ophelia, Cor-
deliaj. Den wahren Begriff des tragischen Schicksals bilden
zwei Momente: das Absolute und das Subjekt; das letztere,
gehoben vom ersten, erscheint als eine bedeutende Macht,
mufs aber als relative Gröfse an ihm untergehen ; aber weil
sich im Untergange der menschlichen Erhabenheit eben die
göttliche offenbart, so entsteht dadurch ein Gefühl der Ver-
söhnung, das um so reiner ist, je klarer ebendiese Offenba-
rung auch der tragischen Person zum Bewustseyn
kommt. (S. 83 — 94.}
Die Stufen, welche die tragische Idee durchwandert,
richten sich dem Verf. nach der niederen oder höheren Aus-
lassung des Absoluten, mit welchem die relative, subj. Gröfse
in Widerspruch geräth. Die niedrigste Stufe des nega-
tiv Erhabenen bildet das Schicksal, sofern es gedacht wird
als das nur erst naturphilosophisch, noch nicht ethisch Erha-
bene: die Unangemessenheit jedes Individuums ans Absolute,
gezeugt an Individuen, die durch Glück oder sonstige Gröfse
XXXI. Jahrg. 12. Heft. 75
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