Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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N°. 52. HEIDELBERGER 1838.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Griechische und Römische AlterIhumskimde.
I (Bes chlufs.)
Das siebente Capitei, das den Band eröffnet, giebt mehr
im Allgemeinen ein Bild der sittlichen Zustände und der mo-
ralischen Grundsätze, wie sie nicht sowohl in den Schulen
der Philosophen als im Leben selbst, -besonders in den bei-
den Hauptstaaten, Athen und Sparta, sich ausbildeten, hebt
insbesondere den nachtheiligen Einflufs, den Luxus und Reich-
thümer auf das früherhin so einfache Naturleben der helleni-
schen Völker ausübten, hervor, zumal als seit der Eroberung
Asiens durch die Macedonier alle Sitten und Lebensverhält-
nisse, und selbst Lebensansichten sich umzugesfalten began-
nen. Die Lage des weiblichen Geschlechts bildet den Inhalt
der beiden nächsten Abschnitte (Cap. VIII. IX.) 5 es werden
die ehelichen Verhältnisse besprochen, insbesondere die recht-
liche Stellung der Frauen , welche in dem alten Griechenland,
wenn auch nicht in der Beschränkung gehalten, die wir im
Orient finden, doch ebensowohl bei dem Eingehen einer Ehe,
wie nach derselben, von dem Willen der Eitern, Brüder und
Anverwandten, wie später der Gatten, in einer Weise ab-
hängig erscheinen, die uns bei einem Volke, bei dem wir
sonst reinere und geläutertere Begriffe, als bei andern Völkern
des heidnischen Alterthums finden, in Erstaunen setzen mufs.
Aber die nachtheiligen Folgen verfehlten auch nicht in ihrer
ganzen Stärke sich geltend zu machen und den Verfall des
ellenischen Lebens zu beschleunigen5 was wir hier natürlich
nicht weiter verfolgen können. Es stellt sich dies noch mehr
heraus, wTenn man die Angaben, welche der Verf. in dem
nächsten Abschnitt über die Hetären zusammengestellt hat,
in Erwägung zieht. Mau wird übrigens auch hier, selbst
nach dem, was Jacobs im vierten Bande seiner Vermischten
Schriften darüber bemerkt hat, mit gleichem Interesse dem
Verf. folgen, der in einigen allgemeinen Punkten, die sich
auf die Würdigung dieses eigenthiimlichen Verhältnisses und
seine Beziehung zu dem Gesammtleben der Nation erstrecken,
von dem deutschen Forscher aöweicht. Daran schliefst sich
ein Abschnitt (cap. X.) über die Männerliebe 5 die folgenden
Abschnitte (cap. XI — XIII.) geben mehr ein allgemeines Bild
des griechischen Charakters, wie er sich in dieser Periode
entwickelte und in den verschiedenen Verhältnissen des Le-
bens geltend machte; sie machen den Stand der Bildung und
den Einflufs derselben auf den Charakter der Nation nach den
XXXI. Jahrg. 8. Heft, 52
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