Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

Page: 818
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdjb1838_2/0202
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
818

Griechische und römische Alterthumskunde.

hier eintretenden Stammverschiedenheiten bemerklich, zeigen
die Empfänglichkeit des Griechen für alles Schöne und Edle,
seinen Sinn für Natur wie für Kunst, seinen reinen Geschmack
für alles Schöne in Poesie, Kunst und Natur, sowie die Ab-
nahme dieses feinen Gefühls zugleich mit dem Verfall der
Sitten und dem Untergang der politischen Selbständigkeit
der Nation-
Gallus oder Römische Scenen aus der Zeit A ugust’ s. Zur Er-
läuterung der wesentlichsten Gegenstände aus dem häuslichen Leben der
Römer von IVilheim Adolph Becker, Prof, an der Univ. Leipzig.
Leipzig, Friedrich Fleischer. 1838. Erster Theil. Mit zwei Kupfer-
tafeln. XX und 336 S. Zweiter Theil mit drei Kupfertafeln. 317
S. in gr. 8.
Derselbe Mifsstand, auf den wir eben bei der Behand-
lung der griechischen Antiquitäten hingewiesen , zeigt sich
im Ganzen, wenn auch in etwas veränderter Weise, bei dem,
was man unter dem gewöhnlichen Namen der römischen An-
tiquitäten zu begreifen pflegt. Während das öffentliche Le-
ben Roms, dessen politische Verhältnisse u. s. w. Gegenstand
der umfassendsten Untersuchungen in neuester Zeit geworden
sind, um auf diese Weise die ganze römische Staatsverwal-
tung nach allen Einzelheiten zu erfassen und zu begreifen,
ist das Privatleben, wenn man von einigen Monographien,
wie z. B. Böttigers Sabina, absieht, in der neueren Zeit nicht
einer allgemeinen, die verschiedenen Seiten desselben umfas-
senden Behandlung unterworfen worden, so sehr dies auch
der selbst durch jene Forschungen gewonnene Standpunkt
und die tiefere Einsicht in alle- Verhältnisse des römischen
Lebens, dann aber auch so manche inzwischen neu entdeckte
Quellen und Denkmale erwarten liefsen, während doch früher
gerade die dahin einschlägigen Punkte zum Theil mit grofser
Vorliebe, freilich aber nicht immer mit der gehörigen Kritik
behandelt worden waren, jedenfalls aber manches Material
aufgehäuft worden war. Den hier hei vortretenden Mangel
fühlte Ref. insbesondere, als er schon vor längerer Zeit in
Creuzer’s Abrifs der römischen Antiquitäten die Abschnitte
über die Mahlzeiten und über die Leichenbegängnisse aus-
arbeitete, obwohl es, nach dem Plane dieses Abrisses, nicht
sowohl auf eine vollständige und zusammenhängende Dar-
stellung abgesehen war, als vielmehr darauf: die erforder-
lichen Nachweisungen zu geben, aus welchen eine solche
Darstellung dereinst zu Stande kommen könnte. Und auch
seit dieser Zeit ist ihm mehr als einmal der Mangel einer sol-
chen Darstellung fühlbar entgegengetreten ; es freut ihn da-
her jetzt in der oben angezeigten Schrift ein Werk nennen
zu können , in welchem diese Seite des römischen Lebens
nicht blos in den beiden eben genannten Beziehungen, son-
loading ...