Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

Page: 705
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdjb1838_2/0089
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
N°. 45. HEIDELBERGER 1838.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Dieterich: Die Mercurialkrankheit in allen ihren Formell.
( B e s c hl uf s.)
Die Mercurialkrankheit betrachtet er als einen eigenthiim-
lichen Krankheitsprocefs, der so gut wie der rheumatische
und gichtische seine bestimmten Erscheinungen und seine bio-
logischen Formen habe. Die Lebensthätigkeiten des Körpers
seyen auf eine specifische Weise verändert, wie bei einer an-
dern Krankheitsfamilie, das normale electrische Verhalten des
Organismus umgestimmt, das animale Leben auf eine tiefere
Stufe herabgesunken, dem vegetativen genähert, das Blut
im Beginne der Auflösung und die Ernährung, ebenfalls durch
die alienirte Ganglienthätigkeit herabgestimmt, müsse auch
auf einen niedern Typus zurückgehen. Sie gehöre daher in
die Klasse der Dyscrasien, von welchen sie eins der wich-
tigsten Glieder abgebe. Über das Fieber, das zuweilen zur
Mercurialkrankheit sich gesellt, über ihre Verbreitung, Cora-
bination mit andern Krankheiten , namentlich mit Syphilis,
Gicht, Scrophulosis, Rheumatismus, Scorbut, Entzündung,
Rothlauf, Catarrh, über ihre Aetiologie, geographische Ver-
breitung, Verlauf, Ausgänge, Prognose, hätte er nach der
Wichtigkeit des Gegenstandes vielleicht noch mehr sagen
können, obgleich das Mitgetheilte des Beifalls werth erscheint.
Sehr ausführlich handelt er von der Behandlung, als Pro-
phylacticon die Sarsaparille empfehlend. Was er über die
Indicationes causalis et morbi sagt, ist durchdacht, die auf-
gestellten Grundsätze erscheinen wahrhaft rationell, aber die
gewählten einzelnen Mittel möchten nicht unbedingt den Pro-
birstein der Erfahrung aushalten, was wir namentlich vom
Lactucarium, das er in grofsen Gaben vorschlägt, auszuspre-
chen keinen Anstand nehmen. Zweifel erregt in uns auch
das dem salzsauern Golde gespendete Lob. Mehr, als auf
das nicht minder gepriesene Eisen und die Electricität, möch-
ten wir auf den Gebrauch gewisser Mineralwasser vertrauen,
die bei Combinationen, besonders mit dey Scrophulosis und
der Gicht, gewifs mehr, als alle Apotheken der Welt, zu
XXXI. Jahrg. 7. Heft. 45
loading ...