Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 31,2.1838

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Rhetorcs Graeci cd. Walz.

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und blofs z. B. den Stoff für das Lob der Städte gibt, ohne
sich um die Anordnung der Reden selbst vom n^oolpiov bis
zum infkoyoc, und den Stoff zur Ausfüllung dieser einzelnen
Theile zu bekümmern. Ferner gibt allerdings der Verfasser
der zweiten Schrift, wie Heeren bemerkt, zu verstehen, dafs
sein Vaterland Troas sey, und zwar nicht blofs an den in der
Vorrede citirten Stellen, sondern auch p. 323, 15. Der Her-
ausgeber wendet nun dagegen ein, dafs man nur anzunehmen
brauche, dafs der, an welchen das Buch gerichtet sey, der
Gegend von Troja angehöre; Genethlius aber könne ja mög-
licher Weise in einer näheren Verbindung mit Troas gestan-
den seyn. Ja er meint, eben der Umstand, dafs beide Schrif-
ten an einen Freund gerichtet seyen, sey für seine Meinung,
dafs sie Einen Verfasser haben. Die Erwiederung auf dieses
mufs von hinten anfangen. Allerdings sind beide Schriften
an einen Freund gerichtet; aber Genethlius, welchem die
erste gewidmet seyn soll, war ein Zeitgenosse und Neben-
buhler des Callinicus, von welchem schon Reden im zweiten
Theile erwähnt werden; er war ferner ein Schüler des Mi-
nucianus, und Menander ein Commentator desselben; er wäre
also ein Freund gewesen, der nicht erst zu lernen gebraucht
hätte. Der Freund aber, an welchen die zweite Schrift ge-
richtet ist, erhält förmliche Unterweisung und ist also ein
jüngerer Freund, d. h. nach damaliger Ausdrucksweise ein
Schüler, wie Sopater seine dLoupeaeu; für seinen Sohn Car-
ponianus, Seneca seine Controversien für seine Söhne schrieb.
Aber auch angenommen, Genethlius wäre ein solcher jün-
gerer Freund gewesen, so genügt es hier nicht zu sagen:
er kann möglicher Weise mit Troas in Verbindung gestan-
den seyn. Es fragt sich hier nicht, was seyn konnte, son-
dern was erweislich so oder anders war, und erweislich, war
Genethlius kein Trojaner, sondern ein Palästinenser. Der
Herausgeber mag also sehen, ob dieser Umstand für seine
Ansicht ist. Doch wenn wir auch ganz von Genethlius ab-
sehen, da die Zueignung an ihn blofs auf einer Conjectur des
Valesius beruht, so hilft auch die erste Behauptung des Her-
ausgebersnichts, dafs man blofs anzunehmen habe, der Freund,
an welchen die Schrift gerichtet ist, sey aus Troas. Denn
jetzt kehrt dieselbe Frage wieder, wie vorher, warum näm-
lich nur in der zweiten Schrift hervortrete, dafs der Freund,
dem sie gewidmet ist, aus Troas sey, und nicht auch in der
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