Wagner, Heinrich
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Büdingen — Darmstadt, 1890

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HÖCHST A. D.

NIDDER

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HÖCHST A. D. NIDDER

FARRDORF an der Nidder, 17 km westlieh von Büdingen, heisst Allgemeines
Hoste 1245, Hoeste und Hoiest 1268.

Das Dorf Höchst ist offenbar später entstanden als die Burg und
hat von dieser seinen Namen erhalten, wird indessen schon 1288 als
Villa Hoiest*) erwähnt. Gerichtsherren waren die jeweiligen Burgherren, welche
unumschränkte Hoheitsrechte über den Ort und seinen Bezirk besassen. **) Das
Dorf Höchst hatte Anteil an der Mark Altenstadt, war aber mit den übrigen Mark-
dörfern nicht gleichberechtigt.

Die Burg Höchst wird zum ersten Male 1245 genannt und 1268 ist sie bei
Gelegenheit der Gründung des Klosters Engelthal (S. 131) als Gemeinbesitz derer
von Buches und von Karben bezeichnet. Diese Familien erscheinen 1325 als
Ganerben von Höchst.***) Anteil an der Ganerbschaft Höchst erlangten später
u. A. auch die Herren Schenk zu Schweinsberg in Folge der Ehe von Wolfram
Schenk (1337 — 1374) mit Elisabeth von dem Buches.****)

Das Schloss zu Höchst war im Mittelalter berüchtigt als eines der »Rauphäuser«
der Wetterau. f) Um sie zu bewingen und abzubrechen, unternahm König Ruprecht
seinen Kriegszug in die Wetterau im Februar 14,05. ft) Nach der Niederwerfung
und Verbrennung des Schlosses Rückingen ritten die Reisigen am 18. Februar vor
das Schloss Höchst bei Lindheim, das am folgenden Tage ohne Wehr und Wider-
stand übergeben wurde. Der König liess eine Anzahl Schützen als Besatzung
darin zurück und sandte am 29. April von Heidelberg aus den Befehl an den
Landvogt der Wetterau, Hermann von Rodenstein, fff) das Schloss niederreissen
zu lassen, was auch sofort geschah.

Doch dauerte es nicht gar lange, bis (1424) Flenne von Buches sich »auf
einen anderen Platz an das Dorf Höchst« ein Haus mit Hof und Wall tttt) erbauen
liess und von Graf Diether von Ysenburg als Lehen empfing. Ausserdem bestanden

*) Baur, Hess. Urk. V, S. 121 No. 138.
**) Baur, a. a. 0. S. 25g, und Irle in Jahresb. d. Oberhess. Ver. f. Localgesch. I, S. 27 tt.
***) Baur, Hess. Urk. V, S. 247 No. 274.

Vgl. Taf. I der Schenk'schen Genealogie, verf. v. Archiv-Direktor Frhrn. Dr. Schenk zu Schweinsberg,
in v. Budlach's Stammb. der alten Rittersch. — Inv.'d. Frankf. Stadt-Arch. II, S. 29 unten.

1) Wegen der unverbürgten Sage, das Schloss zu Höchst sei schon durch Kaiser Rudolf I. eingenommen
und zerstört worden, siehe Mader, Burg Friedberg I, S. 106, II, S. 58, sowie Winkelmann, Beschr, d. Fürstent.
Hessen u. Hersfeld S. 162.

tt) Janssen, Frankfurter Reichscorresp. S. 180, sowie Bodmann, Kheing. Altert. II, S. 812.
ttt) Mader, a. a. O. II, S. 59. Von Scriba, Reg. II, S. 155 No. 1973 irr ümlich 1408 anstatt 1405 verzeichnet,
tttt) Simon, Gesch. d. reichsst. Hauses Y. u. B. I, S. 241, sowie Brief Wilh. v. Stockh. d. A. (s. u.)
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