Mader, Felix [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,10): Bezirksamt Kemnath — München, 1907

Page: 2
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdkb_kemnath/0012
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
2

X. B.-A. Kemnath.

grafschaft auf dem Nordgau gegen die Slaven, spez. die böhmischen Tschechen,
errichtet. Unser Gebiet gehörte zum Markgebiet, dem Vorlande der Grenzgrafschaft,
und war bei Errichtung der Markgrafschaft noch größtenteils in Händen der Slaven.
805 noch bildete Premberg bei Burglengenfeld den nördlichsten Grenzpunkt gegen
die Slavensiedelung, und 100 Jahre später ist die deutsche Grenze erst bis an die
Luhe vorgeschoben. Erst in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts dürfte die deutsche
Besiedelung unseres Gebietes erfolgt sein. Für diese Ansicht spricht das fast gänz-
liche Fehlen der echten ing-Namen in unserem Gebiete, dagegen das häufige Auf-
treten von slavischen Namen, wie Kaibitz, Haunritz, Siegritz, Selbitz. (Vgl. über diese
Frage: Doeberl, Markgrafschaft, S. 45 f. — Ders., Entwickelungsgeschichte Bayerns,
München I [1906], 7 f., 79.) Zur gegenteiligen Ansicht, daß der nördliche Teil der
Markgrafschaft schon vor dem Einwandern der Bayern von Germanen, wahrscheinlich
den Nariskern, bevölkert war, vgl. Vierling, Die slavischen Ansiedelungen in Bayern,
Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns, Bd. XIV (1902), 185 f.;
Bd. XVI (1905), 13 f. — Dahn, Die Könige der Germanen, IX. Bd., 2. Abtlg.: Die
Bayern, Leipzig 1905, S. 58 f. und Besprechung dieses Bandes durch Riezler in der
Beilage zur Allg. Zeitung 1905, Nr. 252.
Zur Geschichte der Markgrafschaft auf dem Nordgau vgl. die Einleitungen zu
Heft I u. VI.
Am 6. Juni 1008 schenkte Kaiser Heinrich II. dem Bistum Bamberg die Orte
Velda, Urbach (Auerbach) und Keminata »in pago Nortgoue«. (Stumpf, Reichs-
kanzler, Nr. 1501. — Mon. Boic. XXVIIIa, 399/401.) Es bildete diese Schenkung
ein zusammenhängendes Gebiet; es ist dabei nicht nur an die genannten Orte,
sondern an größere, an diese Orte sich anschließende Gebiete, deren Grenzen sich
aber jetzt nicht mehr genau festlegen lassen, zu denken. (Vgl. Einleitung zu Heft XI
[B.-A. Eschenbach] des Denkmälerinventars der Oberpfalz und Österreicher in den
Geöffneten Archiven, II. Jahrg., 6. Heft, S. 141—183.) Der auf unser Gebiet treffende
Teil der Schenkung scheint sich annähernd mit dem Umfang der späteren Herrschaft
Waldeck zu decken. Ob auch das Gebiet von Erbendorf mit eingeschlossen war,
scheint zweifelhaft.
■ Die bambergischen Bischöfe scheinen das Gebiet von Kemnath — der Zeit-
punkt ist völlig unbekannt —• den Herren von Lengenfeld, die sich auch von
Hopfenohe und von Pettendorf nannten (vgl. Heft V des Denkmälerinventars der
Oberpfalz, Einleitung), verkauft oder verliehen zu haben. Nur auf diese Weise läßt
sich am wahrscheinlichsten der spätere Übergang dieses Gebietes an die Landgrafen
von Leuchtenberg erklären. Neben dem Orte Keminata erscheint hier bald auch
die Feste Waldeck, deren Anfänge in die Zeit der Markgrafschaft zurückreichen
und die eine der ältesten Burgen des Nordgaues ist. (Doeberl, Markgrafschaft, S. 58.)
xi 19 war der Dynaste Friedrich von Lengenfeld-Hopfenohe-Pettendorf gestorben.
Sein Erbe fiel an seine beiden Töchter Heilica und Heihvic, bzw. an deren Gatten,
Pfalzgraf Otto I. von Wittelsbach und Graf Gebhard von Leuchtenberg. Zu Heilwics
Mitgift gehörte zweifellos auch das Gebiet von Keminata, jetzt schon nach der Burg
Waldeck benannt, wozu auch der Rauhe Kulm, Pressath und Grafenwöhr zählten.
Tatsächlich erscheint dieser erste urkundlich genannte Leuchtenberger zum ersten-
loading ...