Mader, Felix [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,10): Bezirksamt Kemnath — München, 1907

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Kunststatistische Übersicht.

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nicht bestimmbaren Epitaph in der dortigen Friedhofkirche aus ungefähr gleicher
Zeit. Das Denkmal für die 1589 verstorbene Martha Nothaft in Thumsenreuth
interessiert wegen der im Tympanon angebrachten Darstellung des damaligen
Schloßbaues.
Eine auffallend gute Schöpfung des 17. Jahrhunderts ist der Grabstein des
Pfarrers Laubmann in Thumsenreuth (f um 1680), geringer die zwei Muffelschen
Grabsteine in Wirbenz und der des Ernst von Podewils (f 1669) in Wildenreuth.
Die mittelalterliche Holzplastik hat wenige, aber manch anziehende Schöpfung
aufzuweisen. Sämtlich gehören sie der Spätgotik an. Bei der seelenvollen Gruppe
der hl. drei Könige aus Senkendorf erinnert die Anordnung und teilweise auch die
Technik an die Weihnachtskrippe. Als Entstehungszeit möchten wir die Jahre um
1490 annehmen. Die würdevolle Madonna in Pullenreuth, der lebensvolle. St. Christo-
phorus in Mehlmeisl sind vortreffliche Arbeiten aus der Zeit um 1500. Die Relief-
figuren in Hohenhard und die Yitusstatue in Altenstadt reihen sich ihnen an. Um
1520 mögen die Altarfiguren in Riglasreuth und Dechantsees entstanden sein. Die
Pullenreuther Madonna und die Figuren in Hohenhard scheinen dem gleichen
Schnitzer anzugehören. Das Fortleben gotischer Traditionen spricht aus der um
1600 entstandenen sitzenden Madonna in Oberndorf.
Aus der Barockzeit finden sich hübsche Figürchen in Erbendorf und
Unterlind.

III. MALEREI.
Mittelalterliche Denkmäler fehlen ganz.
Deckengemälde des 18. Jahrhunderts besitzen Mockersdorf und Waldeck. In
beiden Fällen handelt es sich um bedeutende Leistungen. Der Vorrang gebührt
dem Zyklus in Waldeck, dessen Zuteilung an die Asam berechtigt sein dürfte.
Gute Altarbilder von dem bisher wenig bekannten Joh. David Radius finden
sich in Ebnath. Zwei Altarbilder in Haidenaab und Krummenaab verdienen Be-
achtung. Die einheimische Malerfamilie der Wild von Kemnath wird im 18. Jahr-
hundert (Ehrnthaller, S. 6) und noch 1823 mit dem Kreuzweg in Mockersdorf
genannt.
IV. KIRCHLICHE EINRICHTUNGSGEGENSTÄNDE.
Die ältesten Altäre des Bezirks besitzt Kemnath im Sebastians- und Laurentius-
altar der Pfarrkirche, Ramiesreuth, Oberbruck und Bernstein. Sie gehören der Zeit
von 1650—1680 an.
Barockaltäre vom Ende des 17. und aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahr-
hunderts befinden sich in Kemnath, Wirbenz, Poppenreuth, Thumsenreuth, Bernstein,
Oberndorf, Mockersdorf, Haidenaab, Ebnath. Von besonderem Interesse sind die
Altäre in Reuth und Poppenreuth: prächtige Schnitzwerke im Akanthusstil des
späteren Barock, ohne architektonische Formen, wie sie in der Oberpfalz mehrfach
sich finden. (Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft VIII, B.-A. Vohenstrauß,
S. 134 und Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 165.) Wie lange diese Art in der
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