Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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Abb. 1. Der Isenheimer Altar, gechlossen.

MATTHIAS GRüNEVALP

ALS MEISTER PER ISENrIEIMER ALJARGEMÄLPE

UND IN SEINER VORBILDLICHKEIT FÜR ARNOLD BÖCKLIN.

Von FRITZ BAU MG ARTEN.

OClenn man die Gemäldesammlung
Unterlinden zu Colmar betritt, so ist man
gleich an der Türe überrascht von der
Farbenpracht und Farbenkühnheit der
hier vereinigten Grünewalds. Mit ihrem
leuchtendem Weiss, ihrem satten Grün,
ihren tiefschwarzen Hintergründenschlagen
sie alle Bilder in der Nähe gewissermassen
tot. In unverwüstlicher Tempera ge-
schaffen sind die Farben Grünewalds so
frisch, als hätte der Meister erst gestern
den Pinsel weggelegt.

Es ist noch gar nicht so lange her,
dass wir wieder mehr auf Farbe halten
und unter Gemälden Kunstwerke ver-

stehen, die nicht etwa kolorierte Zeich-
nungen sind, sondern in Farbe gedacht
sind, durch einheitliche Lichtführung und
Farbenabtönung zusammengehalten wer-
den, durch Licht und Farbe wirken. Kein
Wunder, dass uns bei dieser neuesten
Wandlung unseres Schönheitssinnes und
-Geschmackes der alte Meister Eindruck
macht, der das beste, was er wirkt, mit
Farben wirkt, mit kühnen, temperament-
vollen Farben.

Grünewald, vor kurzem kaum ge-
kannt, ist jetzt einer der ersten Künstler-
namen geworden. Nicht nur in seiner
deutschen Heimat, auch in Frankreich, in
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