Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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D as Brandunglück, das in der Nacht vom 6. auf 7. August
die Einäscherung der Magdalenenkirche und des Waisenhauses
in Straßburg herbeiführte, hat weit über das Elsass hinaus lebhafte
und aufrichtige Teilnahme geweckt. Zwar weniger der Bau der
Kirche als architektonisches Werk, aber die künstlerische Aus-
stattung des Gotteshauses war doch von solcher Bedeutung,
dass diese Teilnahme, die sich in kunstliebenden Kreisen bis
zum Aufschrei steigerte, vollauf berechtigt erscheint.

Die Magdalenenkirche war an sich eine schlichte Kloster-
kirche und zwar für die Jungfrauen aus dem Reuerinnenorden
erbaut; der Grundstein der Kirche war am 20. Januar 1478 in
Gegenwart Geiler von Kaysersberg gelegt worden; zwei Jahre
später konnte die Einweihung des auch in seinen Dimensionen
bescheidenen Baues stattfinden. Das Langhaus war einschiffig,
ohne Gewölbe. Die Westwand öffnete sich in einem spät-
gotischen Portal mit übergreifendem Stabwerk. Architektonisch
am sorgfältigsten war die Choranlage behandelt. Der Chor war
Im 3/8 geschlossen, mit drei vorgelegten Jochen. Die Rippen des schönen Kreuz-
gewölbes stiegen auf zierlichen Wandsäulchen auf.

Kann man nun auch das Urteil nicht unterschreiben, daß die Magdalenenkirche
«architektonisch völlig uninteressant" war, so beruhte doch, wie oben angedeutet,
^er hauptsächlichste Wert der Kirche nicht im Architektonischen, sondern in
er Ausstattung des Chors und zwar vor allem in dem reichen Schatz von wohl-
erhaltenen spätgotischen Glasmalereien. „Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen"
at bereits jn sejnem t Jahrgange (2. und 4. Heft, August und Oktober 1900) in
zwei Vierfarbendrucken Proben aus dem Mittelfenster der Magdalenenkirche nach
pien von A. Cammissar, wiedergegeben, und zwar die Darstellung der hl. Jungfrau

Modest"1 Wlchtigstcn ist neben Straubs Notice im Bulletin d'Alsace das Prachtwerk, das Domherr
pr.„fS. Schickele über die einst unter seinen Auspizien restaurierte und verschönerte Kirche
erscneinen lir.fi ^

Reprodul ' auch die Feuerstein'schen Wandgemälde und die übrige Ausstattung in guten

über p.<tlonen wiedergibt. Die Glasgemälde sind aufs Neue reproducirt in dem Werke R. Brucks
" le elsässische Glasmalerei" (Strassburg, W. Heinrich).

Au

der keramischen
Abteilung der Strass-
burger Kunstgewerbe-
schule.
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