Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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Kleine Mitteilungen.

Erkennen der stofflichen Erfordernisse in
das Programm seiner Bestrebungen auf-
genommen. Die Errichtung handwerk-
licher Werkstätten an den Volksschulen
kann nicht als Vorbereitung auf einen
künftigen Beruf aufgefaßt werden, son-
dern als die Hinleitung der geistigen
Tätigkeit auf die Erkenntnis der Schwie-
rigkeiten bei Bezwingung der Materie.
Künftige Zeiten werden in dieser Be-
ziehung vieles gut zu machen haben
gegenüber jenen Bestrebungen, welche
den heranwachsenden Menschen allzubald
auf abstrakte Gebiete hinüberzuziehen
versuchen. Das tut die Schule durchweg
heute noch in zu hohem Maße. Auch sie
sollte mehr Lehrwerkstätte sein als sie
es ist, denn geistige Exerzierplätze dieser
Art erziehen den Menschen in erster Linie
zu brauchbaren Mitgliedern der Gesell-
schaft und öffnen ihm die Augen über
das was ist. Ereilich, damit fielen auch
gar so manche traditionelle Vorurteile!

KLEINE MITTEILUNGEN

VIII. Internationaler Kunsthist. Kon-

gress. — Der Kunsthistorische Kongreß zu
Innsbruck hat vor zwei Jahren beschlossen,
die nächste Zusammenkunft in Straß-
burg i. E. abzuhalten. Das Elsaß ist be-
kanntlich ein altes, reiches Kunstland; es ist
heute noch eine unerschöpfliche Fundgrube
für den Kunstforscher wie für den Kunstfreund.
Die Kirchen, Burgen und alten Wohnhäuser
im Elsass, die öffentlichen und privaten Samm-
lungen bieten den Kunstforschern und Kunst-
freunden ein köstliches Studien- und Anre-
gungsmaterial. Viele der grossen kunst-
geschichtlich^n Fragen, die in den jüngsten
Jahren aufgerollt wurden, haben an das Elsaß
angeknüpft: an die Grosstaten seiner Bau-
meister, Bildhauer und Maler.

So bedarf es keiner besonderen Erklärung,
wesshalb die Hauptstadt von Elsaß-Lothringen
zum Kongreßorte gewählt wurde.

Die früheren internationalen kunsthisto-
rischen Kongreße zu Wien, Nürnberg, Köln,
Budapest, Amsterdam, Lübeck, Innsbruck

haben so bedeutende Resultate gezeitigt, wie
die Gründung des Repertoriums für Kunst-
wissenschaft, des Kunsthistorischen In-
stituts zu Florenz, das seit 1897 eröffnet
ist, und das vom Deutschen Reiche subven-
tioniert wird, der Gesellschaft für photo-
graphische Publikationen, deren Mappen
seit neun Jahren erscheinen, der Gesellschaft
für ikonographische Studien.

Der Straßburger Kongreß soll, einem
Beschluss des Innsbrucker Kongresses zufolge,
noch mehr als bisher klärender Diskussion
über unmittelbar instruktive Dinge, über
Fragen des wissenschaftlichen Betriebes und
organisierter Arbeit Raum gewähren. Damit
wird der Schwerpunkt in der Zusammenarbeit
aller Beteiligten liegen.

Und so sind denn alle Vertreter der
Kunstwissenschaft, Professoren, Dozenten,
Vorstände und Beamte der Sammlungen,
Privatgelehrte und Schriftsteller des Faches,
sowie alle Kunstfreunde eingeladen, vom
22.-24. September in Straß bürg i. E.
zu erscheinen.

Der Ortausschuß, dem Vertreter des
Faches, sowie Männer aus allen Berufszweigen
gerne beigetreten sind, wird alles, was in
seinen Kräften steht, zum glücklichen Gelingen
des Kongreßes beitragen. Die Möglichkeit der
persönlichen Fühlungnahme und gegenseitigen
Aussprache der Fachgenossen, die sonst zer-
streut über ferne Länder wohnen, soll auch
durch die projektierten Veranstaltungen des
Ortausschusses ganz besonders gefördert
werden.

Schränkchcn. Entworfen von R. Trunk.

Für die Redaktion verantwortlich : Prof. Dr. Leitschuh in Strassburg.
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