Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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PeuTsgIeN FrüHreNaissaNce

IN STRASSBURG i. E. 1

Von Professor KARL STATSM ANN.

6-s muß auffallen, daß in Straßburg die
deutsche Frührenaissance des 16. Jahrhun-
derts im Vergleiche mit anderen größeren
südwestdeutschen Städten so wenige Reste
ihrer ersten Einführung hinterlassen hat.
Man könnte zunächst annehmen, daß ein
Teil dieser Werke etwa durch Kriegszeiten
und Modelaune vernichtet worden sei.
Dann müßten aber doch noch gar manche
Stücke, etwa Türen und Fenster erhalten
geblieben sein, welche in ihren Formen

1 Die beigegebenen Abbildungen sind z. T.
Aufnahmen von Schülern des Verfassers an der
Kaiserl. Techn. Schule zu Straßburg i. E.

die Frührenaissance traditionell bekunden
könnten; denn selbst nach Bränden von
Gebäuden und Stadtteilen verwendete man
doch stets und überall noch die brauch-
baren Steinwerke, war man ja auch
nach Notzeiten hierzu durch Sparsamkeit
genötigt. Eher haben von jeher Brände
mit Holzbauten gründlich aufgeräumt, so
der große Stadtbrand vom Jahre 1298,
welcher auch das Münsterlanghaus be-
schädigte und zum Verbot der weiten
Überhänge, der allzugroßen Vorkragung
der Obergeschosse von Holzfachwerk
häusern führte, wohl auch die Art der
Herstellung massiver Gebäude befördert

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