Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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aus mqnsveiier

Von Pfarrer A. ADAM (Zabern).

rLu( das von Dr. Bruck in dieser Zeitschrift
(Jahrg. V, Sept.) veröffentlichte Bild der einstigen
Pietä in Monsweiler wurde ich zuerst durch den
um unsere elsässischen Altertümer so sehr ver-
dienten Hrn. Kommerzienrat Christmann aufmerk-
sam gemacht. Seinem Verlangen nach weiterem
Aufschluß über die dem Vesperbilde beigefügten
Darstellungen entspreche ich um so lieber, weil
ich in der Lage bin zu bestätigen, daß Dr. Bruck
mit seiner Angabe über das Alter des Holz-
schnittes ungefähr das Richtige gefunden hat,

und auch über die Figuren rechts und links sichere Mitteilungen geben kann.
Daß das Bild in das Ende des i5. Jahrhunderts, höchstens aber in die ganz ersten
Jahre des 16. Jahrhunderts zurückreicht, welch letzteres aber, aus unten anzu-
führenden Gründen, sich als kaum wahrscheinlich erweisen wird, zeigt schon
das . darauf angebrachte Wappen. Dasselbe findet sich bei Herzog, Chronikon
Alsatia?, zweimal vor, nämlich 1440 —1478, für Bischof Ruprecht, und 1478 —i5o6, für
seinen Nachfolger Albrecht. Beide waren Herzöge von Baiern und Pfalzgrafen bei
Rhein und führten darum in ihrem Bischofsschild zugleich das baierische Wappen.
Herzog (B. IV. S. ri2 u. 114) gibt bei diesem blos für die rot und blau abwech-
selnden Rauten und für das schwarze Feld beim links aufsteigenden (goldenen)
Löwen, die Farben an. Diesen zwei Teilen reihten sich in dem bischöflichen Wappen
noch als oberes linkes Feld, Weiß mit rotem Querbalken (Bistum Straßburg) und
als unteres rechtes, Rot mit weissem goldumzakten Querbalken (Landgrafschaft
Elsaß) an. Daß auf dem Holzschnitt die falsch aufgetragenen Farben blos von der
Unkunde des Bemalers herrühren, ist selbstredend; auch in einem Fenster der durch
Albrecht von Baiern 1493 erbauten Muttergotteskapelle in Zabern, ist das Wappen
des Gründers richtig gezeichnet, aber falsch koloriert.

Madonna mit dem Kinde,
Holzstatuc in Munsweiler.
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