Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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Das deutsche Mobiliar unserer Tage.

Es braucht kein Raum zu sein, der an-
deren gefällt: er ist für einen bestimmten,
einzelnen Menschen.

So weit sind wir also ! Wenn solche
Arbeiten spätere Jahrhunderte überdauern
sollten, werden unsere Nachkommen doch

recht merkwürdig über unser Empfinden
urteilen.

Gegen bizarre Einfälle und Über-
treibungen sollte der gute Geschmack an-
kämpfen, wenn die moderne Strömung in
das Bewußtsein des Volkes wirklich ein-
dringen soll.

Es ist ja namentlich in deko-
rativer Beziehung vieles besser
geworden im letzten Jahrzehnt,
seitdem unsere Stellung zur Natur
gewonnen und von einem bloßen
Tasten im Kolorit, in der Form,
in der Wahl des Stoffes nicht
mehr die Rede sein kann Bei
denen, die es mit dem deutschen
Kunstgewerbe ehrlich meinen,
scheint in der Tat die Saat
Gottfried Sempers aufgegangen
zu sein, aber die bloße Ausprägung
der Persönlichkeit im Möbel, das
nun sogar psychischen Ausdruck
erhalten soll, wird doch unser
Sehnen nach einer Volkskunst kaum
befriedigen können.

Notenständer. Schülcrkonkurrenz.

UNSERE

ILLUSTRATIONEN

Neben charakteristischen Aufnah-
men von Türstürzen, Portalen aus
dem alten Straßburg führen wir
unsern Lesern eine Reihe von Schü-
lerarbeiten aus der Kunstschreinerei-
Abteilung der Straßburger Kunstge-
werbeschule vor Augen, die einen
interessanten Einblick in die Art ge-
währen, wie der moderne Stil in der
Linie, in Farbe und Dekoration auch
in der Lehrwerkstätte Pflege finden
kann. Besonders die Variationen in der
Lösung der Aufgabe „Notenständer"
weisen auf einen Reichtum einfach-
anmutiger Formen hin.

Für die Redaktion verantwortlich : Prof. Dr. Leitschuh in Strassburg.
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