Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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Vorstandssitzungssaal im neuen Sparkassengebäude der Stadt Straßburg.

UNSERE ILLUSTRÄTTONeN

Jeder Freund des alten Strasburg sah
mit herzlichem Bedauern 1901 die alten ehr-
würdigen Kapitelshäuser von St. Thomas,
«Zum Hahnenkrot » und «Zum Römer» fallen,
an deren Stelle nun das neue Verwaltungs-
gebäude der städtischen Sparkasse errichtet
worden ist. Zur Erlangung des Bauplanes
für das neue Dienstgebäude war ein Wett-
bewerb unter den in Straßburg ansässigen
Architekten ausgeschrieben worden. Von den
eingereichten Projekten, die auch mit einem
Teil der ausgesetzten Preisen ausgezeichnet
wurden, wurde indes keines zur Ausführung
empfohlen. Es wurden vielmehr die Archi-
tekten Salomon Vater und Sohn beauftragt
ein neues Projekt auszuarbeiten. Das darauf-
hin im Renaissancestil aufgeführte Gebäude
enthält im Erdgeschoß die Verwaltungs-
räume, in den oberen Stockwerken Miet-
wohnungen. Wir geben die im Erdgeschoß

befindliche große Schalterhalle (180 qm) und
den Sitzungssaal des Vorstandes (70 qm) hier
wieder Für volle Lichtzufuhr sorgt eine
mächtige Glasdecke in der großräumigen
Schalterhalle. Die übrige Ausstattung ist von
gediegener, vornehmer Schlichtheit, durch-
aus zweckentsprechend, ohne allen über-
flüssigen Aufwand. Auch in dem bis zur
halben Höhe vertäfelten Sitzungszimmer, das
mit einer einfachen Holzdecke geschmückt
ist, zeigt sich im Stil derselbe konservative,
bürgerliche Charakter. Für die Fenster, Tü-
ren und Getäfel ist Eichenholz verwendet;
ebenso für die Mobiliarausstattung. Auch die
Fußböden bestehen aus Eichenholzparkett.
Das obere Glasdach der Schalterhalle hat
Glasplatten in Zinkeinfassung ohne Kitt;
darunter befindet sich eine Decke in
Kunstverglasung (das Wappen der Stadt
Straßburg).

Wir bieten unsern Lesern diesmal wieder
eine Reihe modern aufgefaßter und durch-
geführter Arbeiten aus verschiedenen Ab-
teilungen der Straßburger Kunstgewerbeschule,
Arbeiten, die als Schülerleistungen in Betracht
kommen, tatsächlich aber ein Bild des steten
Strebens und der ernsten künstlerischen Prin-
zipien der Schule selbst geben. Es gilt dies
zunächst von den einfach-klaren Möbelstücken,
dann von den in einem strengen dem Mate-
rial entsprechenden Formengefühl ausgeführten
keramischen Arbeiten, die durch lebhaftes

Farbenspiel ausgezeichnet sind. Die in Schmie-
deeisen, im Anschluß an graziöse vegetabili-
sche Formen ausgeführten Beschläge, wie die
in der Goldschmiede-Abteilung enstandene Um-
rahmung — vielleicht als Buchdeckel zu ver-
wenden — stellen in zeichnerischer und tech-
nischer Hinsicht tüchtige Leistungen dar. Dazu
gesellen sich noch die Arbeiten der Damen-Ab-
teilung, Entwürfe zu Fächern in verschiedenen
Techniken, die ebenfalls von dem Zusammen-
wirken von künstlerischem Empfinden mit gründ-
licher technischer Ausbildung Zeugnis geben.
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