Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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AUS

MQNSWEIIER

Von Privatdozent Dr. ROBERT BRUCK (Dresden).

Durch die Publikationen und Schriften
der letzten Jahre, die über einzelne Gebiete
der Kunst im Elsaß handelten, sind nicht
nur der Kunstwissenschaft reiche Schätze
der Erkenntnis und des Wissens zugeführt
worden, sondern die Kunstgelehrten werden
immer mehr auf die Tatsache hingewiesen,
daß das Elsaß eine der allerwichtigsten
Provinzen für das Studium unserer frühen
deutschen Kunst ist. Für die Baukunst
sind die schönen romanischen Kirchen
und die des sogenannten Übergangstiles
wertvolle und schöne Studienobjekte, zur
Erkenntnis des Werdens des gotischen
Stiles ist das Elsaß für Deutschland der
wichtigste Länderteil. Was das Elsaß in
der Plastik geleistet, das zeigt noch heute
neben der Steinskulptur die in so her-
vorragend großer Anzahl vorhandenen
trefflichen Werke der Holzplastik, in
erster Linie der Isenheimer Altar und die
Arbeiten des Nikolaus Gerhaert. Für die

Malerei braucht man nur die Namen eines
Martin Schongauer, Kaspar Isenmann und
Matthias Grünewald auszusprechen. In
keiner Provinz Deutschlands sind kunst-
geschichtlich so wertvolle und so zahlreiche
Glasmalereien erhalten wie im Elsaß, und
der deutsche Kupferstich ist nach allem
was wir darüber wissen, im Elsaß geboren
worden. Was im frühen Holzschnitt und
im Buchdruck hier geleistet wurde, ist
allgemein bekannt; an vielen Stellen, leider
noch nicht bearbeitet und zusammengestellt,
befinden sich sehr wertvolle Miniaturma-
lereien, z. B. im Museum in Colmar; die
jetzt verlorene Handschrift der Herrad
von Landsperg nimmt in jeder Kunstge-
schichte einen ihr gebührenden Ehrenplatz
ein. Und so könnte man die Aufzählung
fortsetzen, doch hier handelt es sich nur
um das Bekanntmachen eines interessanten
Blattes, das, elsäßischer Herkunft, sich
nach Dresden in das königl. Kupferstich-
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