Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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unserer Tage

Die Frage, wie sich die großen
deutschen Künstler des 19. Jahrhunderts
zur kunsthandwerklichen Arbeit verhielten,
eröffnet nicht durchaus einen erfreulichen
Blick in das Verständnis der Vertreter
der hohen Kunst für die Bedürfnisse der
Hauseinrichtung. Namentlich beweist die
Stellung der Kunstcentren, daß man von
dem streng aristokratischen Charakter der
Kunst — man arbeitete für das Haus
Gottes und der Fürsten — nicht abzu-
gehen willens war. Die architektonische
Leistung galt die höchste und gewich-
tigste. Mobiliar aber und sonstiges Gerät
überließ man in fast allen Fällen der
Begabung der nach Schablonen gedrillten
Handwerker. Es ist bei Einzelnen unver-
kennbar eine gewisse Scheu vor der Be-
rührung mit dem Handwerklichen, die sich
in der Art und Weise kundgibt, wie man
geflissentlich das ganze Gebiet der Stüm-
perei überließ, statt die Arbeit des Schurz-
fells zu adeln und mit sich wie zu sich
emporzuheben.

Das deutsche Mobiliar der 3oer Jahre
des verflossenen Jahrhunderts steht im
Allgemeinen an öder Formlosigkeit oder im
besten Falle an ungeschickter Manierirt-
heit unerreicht da. Nur Schinkel wagte
den Versuch, auf den Grundsätzen der
griechischen Tektonik Formen für das
moderne Möbel und Gerät zu erfinden.
Und gerade des Berliner Meisters Ent-
würfe zu Möbeln, sowie die wenigen uns
erhaltenen Stücke, die nach seinen Zeichnungen und unter seiner Aufsicht ausgeführt
wurden, bekunden seinen hohen tektonischen Standpunkt gegenüber der sonst herr-
schenden Geschmacklosigkeit, Disharmonie und Willkür. Die antiken Formenstudien, auf
deren Grundlage Schinkel seine ungemein feinempfundenen Entwürfe schuf, würden auch
heute als reife Früchte Aufsehen erregen; denn es läßt sich kaum leugnen: Schinkel suchte

Notenständer aus der Kunstschreincrei-Abteilung;.
Schülerkonkurrenz.
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