Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 5.1904-1905

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EJN PRA(ÜTMÖBEL,

PAS SEINE BESTIMMUNG VERFEHLT HAT.

^Jls ich vor kurzem auf einem Ausflüge
nach dem Schwarzen und Weißen See bei
dem gastfreundlichen Pfarrherrn in Pairis Ein-
kehr hielt, war ich voll Erstaunen, in einem
Zimmer des Pfarrhauses ein modernes Pracht-
möbel anzutreffen, das, nach seiner ganzen
Ausstattung zu urteilen, sich unter die sonstige
bürgerliche Einrichtung des Zimmers nur aus
den Gemächern eines Schlosses verirrt haben
konnte. Das betreffende Möbel war ein Tisch,
dessen Abbildung hier beigefügt ist. Derselbe
ist im Rococostil aus Ahornholz verfertigt,
hat eine Höhe von 0,90 m und eine Breite
und Länge von 1,20 m. Die Stollen sind mit
Wundervollen Skulpturen versehen ; besonders
reich ausgestattet sind die die Stollen ver-
bindenden Traversen, aus denen zwei Vögel
herausgearbeitet sind, die sich schnäbeln.

Der ganze Tisch ist echt vergoldet, die Platte
ist bis auf einen handbreiten Rand mit rosa-
farbiger Seide überzogen.

Wo kommt dieser Tisch her und wie
gerät derselbe in dieses weltentlegene Pfarr-
haus ?

Als man vor i5 Jahren Anstalten traf
zum Bau des jetzigen Kirchleins von Pairis,
wurde zur Aufbringung der nötigen Bau-
summe mit Genehmigung der Regierung eine
Lotterie veranstaltet. Der damals in Pairis
residierende Vikar hegte die Hoffnung, daß
auch der deutsche Kaiser eine größere Geld-
summe für den Kirchenbau spenden würde
und betrat deshalb den Weg der « do ut des »-
Politik. Er gab deshalb dem Bildhauer Klemm
in Colmar, aus dessen Werkstätte so viele
Kunstwerke hervorgegangen sind, den Auf-
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