Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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Gefährdung des Heidelberger Schlosses.

Muster geschützt. Blauer Email-
grund, Rand gelbgold, Figur,
Tiere und Boden Silber, Bäume
grüngold niit 9 Granaten; unten
2 perlen.

tfS — f20. Gürtelschließen von A. Rotlp
inüller — ;i8 u. ;entworfen von
G. pezold — München. (s/4 d. w. Gr.)
Muster geschützt. — vergoldetes Silber
mit perlen; Pfau grüngold mit blaugrün
Email und Vxalen.

Muster gesch. Hauptfassung und
Stile in gelbgold, Eidechse und
Blätter grüngold, Blütenblätter
Silber; oben)) großer Turmalin,
(der außen grün, iiuieu rosa)
unten perlen in den Blumen.

Ruin entgegen, ohne gleich zur Ruine zu werden. —

— 3m jetzigen Zustand würde der Bau ohne jedes
Bedenken, zumal im Einblick auf die große Mauer-
stärke und die allgemein konstatierte Vorzüglichkeit
des Fundamentes, noch Jahrhunderte erhalten werden
können".

Mechelhäufer macht mit Recht darauf aufmerk-
sam, daß kein Dach die Verwitterung der Fassade
aufzuhalten vermag. „Dies Lchickfal teilt der Mtto-
heinrichsbau mit allen seinen Rollegen, und davor
kann ihn keine Lchloßbaukommission retten. Aber
vor einem kann und muß dies herrliche Bauwerk
gerettet werden, nämlich vor einer vorzeitigen,
völligen Zerstörung und einer solchen würde
- eine Restauration in geplantem Sinne
gleichkommen" und zwar sowohl im technischen Linn
als inr kunstgeschichtlich-ästhetischen Sinn durch Um-
wandlung in einen „Btto-Heinrich-Lchäfer-Bau".

Es wäre in der Thal eine beispiellose „Ver-
schlimmbesserung", die den ärgsten Tempelschändungen
würdig zur Leite gestellt werden müßte, zumal damit
nicht einmal praktische Zwecke etwa ihre lange ersehnte
Erfüllung finden sollen. „Wir rühmen uns so sehr

— sagt Gurlitt — im Geiste des Alten zu schaffen.
Nun gutl Was hätte die Zeit, in der das Schloß
entstand, mit der Ruine gemacht? Sie hätte sie stehen
lassen oder etwas Neues an ihre Stelle gesetzt, wie
sie ihre Bauten an Stelle der gotischen rückte. Sie
baute nur, wenn das Bauen einen Zweck hat; sie
baute aber nie, wenn man den Zweck erst suchen
mußte. Was sollen die Läle, die „sich selbst Zweck"
sind, was soll die im Schloß befindliche Rirche ohne
Gemeinde? Wollen wir uns endlich besinnen, daß
es Zeit ist, mit solchen zwecklosen Unternehmen auf-

zuhören !" Also erhalten, was des Erhaltens wert
ist und was zugleich unverfälscht erhalten werden
kann; weiter nichts! Dazu braucht's aber keine
mächtigen Giebel! hoffentlich fegt der ausgebrochene
Entrüstungssturm dis gefahrdrohenden Wolken wieder
weg!

Lieber der Nachwelt eine verfallende alseine
verfälschte Ruine hinterlassen! Ein Greisenantlitz
weiß uns immer noch mehr zu sagen, als ein mit
Puder und Schminke künstlich verjüngtes Gesicht.
Borgen wir aber dafür, daß die Gegenwart Bau-
werke hinstellt, die denen der Vorzeit weder an
Tüchtigkeit noch an charaktervollem Ausdruck der
Baugedanken unserer Zeit nachstehen! Dann werden
unsere Nachkommen uns auch verzeihen, wenn wir
es vorgezogen haben, eine uns überkommene Ruine
den Weg alles Irdischen gehen zu lassen, als ihr mit
Arücken und Toilettenkünsten ein unwahres Schein-
dasein zu sichern. G.

(Meine Nachrichten.

(Vereine, Museen, Schuten, -Aussiebungen,
MettKewerKe gc.

ls Direktor der Züricher Runstgerverbeschule

wurde, infolge der Berufung Pros. Rarl hoff-
ackers an die Rarlsruher Runstgewerbeschule, Archi-
tekt und Maler Albert Lüthi berufen.

Privatschulen des Runstgewerbes für Damen

haben in letzter Zeit in München folgende
Persönlichkeiten eröffnet: Theo Schmuz-Baudiß
(Maler und Reramiker, Blüthenstr. 5, Rgb.), Fräul.

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