Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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Lhronik des Bayer. Kunstgewerbevereins.

ganzen Publikation sich etwas verschiebt — ob zum
porteil der Sache, möchten wir bei der Leichtigkeit,
mit der nian sich heute gute Naturphotographien nach
Pflanzen — besonders Blumen -— verschaffen kann,
bezweifeln; es erscheint uns wichtiger, daß ein solches
Werk das Augenfälligere mehr beiseite lasse und
die Aufmerksamkeit speziell auf das hinlenke, was
der oberffächlichen Betrachtung leichter entgeht, pon

diesem Standpunkte aus sind uns z. B. sogar die
Sammlung von Blattumrissen, die markige Zeich-
nung der Abzweigungen des Acyrrhenkrautes oder
des Hollunders — auch die doppelseitige farbige
Darstellung der Akanthusblüte — wertvoller als
z. B. die Darstellungen des pyklamen und der Di-
clytra. Die weiteren Hefte können vielleicht hierin
wieder abändernd eingreifen. G.

424—429. Wasserspeier am Becken des Weißenburger Brunnens (Abb. 42z).

M. MNflgkNMßmrM.

einein Neubau des Donies, der übrigens 4792 einer abermaligen
Plünderung durch französische Horden preisgegeben war. Im
Jahre 4805 sollte er gar abgebrochen werden; bevor dies aber
ins werk gesetzt wurde, erhielt der Bischof von Speier den Dom
( von Kaiser Napoleon geschenkt (>806) und im Jahre >824 be-
{ traute König Max I. den Architekten Hübsch mit dem Wieder-
aufbau der zerstörten Teile. — Um die Gräber bekümmerte sich
niemand inehr ernstlich; man hatte sie verloren gegeben. —
Die Aufdeckung der Gräber nahm am 46. April 4900 ihren
Anfang. Es fanden sich 2 Reihen von Gräberii vor, in ver
fchiedenen Höhenlagen und offenbar zum Teil noch unberührt.
Nach deii genauen Uiitersnchnngen, die alle historischen, anthro-
pologischen, knnstgeschichtlichen u. s. w. Momente berücksichtigteil,
ergab sich folgeiides: In der erstell Reihe lagen die falifchen
Kaiser: Konrad II. (t 1039), neben ihm seine Gemahlin Gisela
(f 4043), daiin Heinrich III. (f 405s), Heinrich IV. (f ^ 406),
Heinrich V, (f 4425) und die Gemahlin Heinrichs IV. Bertha
(f (08V . In der zweiten Reihe war ursprünglich das mittlere
Grab für Friedrich Barbarossa freigehalten, danii aber mit der
Leiche Rudolfs von Habsburg (f 429 4) belegt. In dieser Reihe
fanden noch Platz Beatrix (ft 4180), Agnes (f ca. 4 480), dann
Philipp von Schwaben (st 4208), Adolf von Nassau (f 4298)
uiid Albrecht von (Österreich (f 4308). In der dritten Reihe
der Gräberanlage wareil Bischöfe uiid Reichskanzler beigesetzt.
— verhältnismäßig dürftig war die Ausbeute an Gegenständen
der Kleinkunst; was an Gewändern, Waffen, Geschmeide ge-
funden wurde, war meist in sehr schadhaftem Zustand: ein
eiserner, mit Gold tauschierter Sporn und eine kupferne Krone
dürften als die wertvollsten Stücke bezeichnet werden können.
— Nach sorgfältigster Registrierung aller einzelnen Stücke
wurden die trotz ihrer Unscheinbarkeit so kostbaren Reliquien
wieder eingesargt und am 3. September 4900 wieder bestattet.
Das Ergebnis der Ausgrabungen wird in einer umfassenden
Publikation bekannt gegeben werden; über die weitere Behand-
lung der Kaisergräber und ihres Inhaltes hat eine staatlich
niedergesetzte Kommission Vorschläge ausgearbeitet (Januar
4904), die sowohl den Forderungen der Pietät wie dem

-Allgemeine (Vereins-
nachrichten.

Ausstellung M4. Der Termin für die Vorlegung von
Plänen zur Ausnutzung des Glasxalastes läuft am 47. Juni
ab; am >9. tritt der Ausschuß zur Beratung über die ein-
eingelaufenen Vorschläge zusammen, unter Zuziehung der Ver-
fertiger der Pläne. Endgültige Beschlüsse sind Vorbehalten für die
Außerordentliche Generalversammlung,
am 26. Juni 4902. Tagesordnung: 4. Abänderung der Hallen-
bestimmungen : 2. Beschlußfassung über die Knnstgewerbe-Aus-
stellung im Jahre 4904.

Mschenverfammkungen.

Siebzehnter Abend — den 8. April — Vortrag von
Bibliothekar vr. W. M. Schmid über die Kaisergräber
in Spei er. Der Vortragende gehörte seiner Zeit jener Kom-
mission an, welche damit beauftragt war, gemäß der durch die
Broschüre des Gymnasialprofessors Praun gegebenen Anregung,
die im Jahre 4689 teilweise entweihten Kaisergräber im Dom
zu Speier nach ihrem Zustande zu untersuchen. Die persönliche
Teilnahme des Vortragenden an dieser Untersuchung, vermöge
deren ein Lichtstrahl in die Dämmerung alter deutscher Geschichte
gedrungen ist, befähigte ihn in hohem Maße zu der gebotenen
Schilderung der allmählichen Aufdeckung der einzelnen Gräber,
zumal der Zuhörer dabei durch Lichtbilder gewissermaßen selbst
zuin Zeugen der Ausgrabungen in ihren einzelnen Stadien
wurde. Dem Vortrag, der bei der zahlreichen Zuhörerschaft großen
Beifall begegnete und tiefen Eindruck hinterließ, entnehmen wir
folgendes. Früher waren die Gräber äußerlich gekennzeichnet,
bis am 24. Mai 4689 der Dom von französischen Kriegern
geplündert und die Gräber aufgerissen und ihrer Kostbarkeiten
beraubt wurden. Nachdem der Dom 40 Jahre laug Ruine
geblieben war, wurde 4699 der Chor wieder eingerichtet; 4722
ging man daran, auch den übrigen Bau auszubessern, aber erst
im letzten viertel des 48. Jahrhunderts befaßte man sich mit
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