Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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Kunstgewerbliche Meisterkurje.

356. Treppenhauskandelaber (mit n Glühlampen); entworfen
von Gebr. Rank, ausgeführt von I. Großmann, München.

Begrüßung in der Diele sollte in diesem Gemach die
gemütliche Unterhaltung folgen.^)

Die malerische Überbauung des Thorbogens,
die uns Abb. 358 zeigt, verdankte ihre Entstehung
dem Wunsch, das Wohnhaus einer größeren Be-
sitzung mit der jenseits des von Mauern und

*) Der Boden dieses etwa 9 : 5*/s m großen Raumes ist
um einige Stufen tiefer gelegt.

Stallungen umfriedeten Wirtschaftshofes gelegenen
Kapelle so zu verbinden, daß man von dem Erd-
geschoß, dessen Fußboden etwa 2 m über Terrain
liegt, trockenen Fußes hinübergelangen konnte. Da
hierbei die ca. 2,8 m hohe Durchfahrt überschritten
werden mußte, so ergab sich die interessante Ausgabe,
eine Treppe über den Thorbogen zu legen. An
Beispielen für die malerische Durchbildung eines
solchen Baugedankens bietet namentlich Südtirol eine
unendliche Fülle, und so war auch beim Putz sowohl
wie bei dem farbig behandelten polzwerk, das sich
so trefflich mit dem putzbau verbinden läßt, die
Durchbildungsweise bei Tiroler Bauten vorbildlich.

Bei weiterer Vervollkommnung des Betongusses
sind auch Werke wie die Mauerlaterne, Abb. 357,
kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Das Driginal,
das in paarweiser Anordnung den Eingang zu einer
Villa schmückt und für elektrisches tricht eingerichtet
ist, besteht allerdings aus Tuffstein; aber die Ein
fachheit des Ausbaues lassen das Werk wohl auch
für Betonguß geeignet erscheinen, besonders wenn
bei der Fertigmachung der Meisel das letzte Wort
spricht. 6.

(jLunstgewerKkiche Meisterkurse

unter Leitung von Prof. Peter Gehrens und
Aussteifung der Arkeiten im Ga^erischen
Geweröemuseum zu (Nürnöerg.

)ttf der Durchreise durch Nürnberg widmete
ich einen halben Tag dem Besuche und
der Besichtigung der Ausstellung der
Arbeiten aus obengenanntem Meister-
kurse. Ich habe es nicht bereut, denn
das Gesehene war von größtem Interesse für mich.

Die Keime zu diesen Meisterkursen wurden ge-
legt durch ein Rundschreiben des hochverdienten
Leiters des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürn-
berg, Vberbaurat v. Kramer, worin auf die rege
Thätigkeit aufmerksam geinacht wurde, die auf dem
Gebiete des Kunstgewerbes sich spcciell in Deutschland
zeige, und worin hervorgehoben wurde, wie nötig
es fei, sich allgemein mit diesen Bestrebungen bekannt
zu machen, die hierbei wahrgenommenen Fortschritte
sich anzueignen und speciell das Nürnberger Kunst-
gewerbe zu heben, damit es ihm ermöglicht werde,
den Anforderungen der Jetztzeit zu genügen. Das
Rundschreiben betonte ferner, daß hier das Gewerbe-
museum vor allem berufen sei, förderlich einzugreifen.

Den Bemühungen des Direktors gelang es nun
schon nach einem halben Jahre die sehr berechtigte
und dankenswerte Anregung in die Thal umzusetzen.

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